Berlin : „Berlin Haus“ in Moskau für 40 Millionen Euro

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Es ist seine erste Dienstreise nach Moskau. Aber wenn Klaus Wowereit am heutigen Sonntag in die russische Hauptstadt fliegt, hat er dort schon eine Adresse. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen Jurij Luschkow eröffnet der Regierende Bürgermeister am Montag das von einem privaten Investor gebaute „Berlin Haus“. Nach fast zehn Jahren Planung und zwei Jahren Bauzeit ist das gut 40 Millionen Euro teure Projekt in unmittelbarer Nähe des Bolschoi Theaters und des Kremls jetzt bezugsfertig. Das Land Berlin bekommt so ein Büro für wirtschaftliche und politische Begegnungen im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau. Einen ständigen Vertreter aber werde es vorerst nicht geben, sagt ein Senatssprecher.

Wohnen wird Wowereit fürstlich: Im Hotel Metropol nahe dem Roten Platz, einem aufwändig restaurierten Jugendstilbau. In dem Fünf-Sterne-Hotel kosten die Zimmer zwischen 243 und 548 US-Dollar. Nach einem Stadtrundgang am Nachmittag trifft sich Wowereit am Sonntagabend erstmals mit Luschkow – zu einem privaten Abendessen. Am Montag bleibt keine Zeit für private Ausflüge: Schon vor der Eröffnung des Berlin Hauses trifft Wowereit den Vorsitzenden des Russischen Föderationsrates, danach den russischen Handelsminister Gref. Am Nachmittag trägt sich Wowereit ins Goldene Buch Moskaus ein. Vor dem offiziellen Abend- und Abschiedsessen mit Luschkow nutzt der Regierende das Berlin Haus erstmals als Treffpunkt: Er spricht dort mit Studenten der Freien Universität, die mit einem Austauschprogramm in Moskau sind, und diskutiert mit Politikern und Journalisten.

Das Berlin Haus soll im Übrigen hauptsächlich kommerziell genutzt werden. Investor und Bauherr Wolfgang Görlich vermietet den Großteil der Büroräume an die Nachrichtenagentur Reuters und an die Telekommunikationsfirma Alcatel. In die Läden im Erdgeschoss ziehen teure Markenboutiquen und Juweliere ein, sagt eine Firmensprecherin. Einziger Berliner Mieter ist bislang der Träger des Berufsbildungswerks BBJ, das Projekte der Städtepartnerschaft betreut. Berliner Unternehmen, die in Russland tätig seien, könnten sich die hohen Mieten im Berlin Haus nicht leisten, heißt es aus Moskau. Daran scheiterte auch der geplante Umzug des Moskauer Goethe-Instituts.

Die BBJ Consult AG will aber zum Herbst in Eigeninitiative einen Berlin-Kiosk eröffnen – „weil das Land Berlin so zögerlich war“. Im Eingangsbereich sollten sich Moskauer über das Veranstaltungsprogramm in der Partnerstadt informieren und auch Bücher kaufen können. Amory Burchard

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