Berlin : Berlin im Schnellkurs

CDU-Kandidat Pflüger tourt durch die Bezirke – mit Wirtschaft und Werten als Wahlkampfthemen

Werner van Bebber

Friedbert Pflüger, der designierte Spitzenkandidat der CDU, muss Berlin in verschärftem Tempo neu kennen lernen. Viel Zeit hat er nicht bis zur Abgeordnetenhauswahl. Er muss mit der Stadt vertraut und selbst bekannter werden. Deswegen ist bei Pflüger so ziemlich jeder Termin zugleich eine Botschaft. Als er gestern seine erste Bezirkstour unternahm, zeigte er, was er im Wahlkampf wichtig nehmen wird – Wirtschaft und Werte.

Da ist einer wie Joachim Hunold ganz nach Pflügers Geschmack. Der Gründer von „Air Berlin“ und sein Unternehmen waren Pflügers Ziel bei seiner ersten Bezirkstour. Hunold, blauer Anzug, rote Krawatte, Stoppelhaarkranz, arbeitet in einem sachlich-banalen Geschäftshaus am Saatwinkler Damm in Charlottenburg – das Wort „residiert“ passt zu dem Mann so wenig wie zur Firma. Und Charlottenburg musste den Anfang machen, denn es ist das Reich des CDU-Landeschefs Ingo Schmitt, und der hat Pflüger für die Berliner CDU gewonnen.

Dass „Air Berlin“ so schön zu Pflügers Kampagne passt, liegt am Erfolg des Unternehmens. Nummer zwei in Deutschland, wie Hunold stolz bemerkte, 2700 Mitarbeiter deutschlandweit, 1200 davon in Berlin. Und das alles, Hunold sagt auch das mit Stolz, ohne Subvention, allein durch Eigeninitiative. Kein Wunder, dass Hunold eine gewisse demonstrative Politikferne erkennen lässt. Zwar sagt er „Ingo“ zu Schmitt, aber er spöttelt auch, er stehe zu seiner CDU-Mitgliedschaft, „was ja nicht alle Unternehmer tun“. Jedenfalls nicht in Berlin.

Der Mann ist eine lebende Geschäftsidee, sein Vortrag lässt keinen Zweifel daran, dass es vor allem Touristen und Geschäftsreisende sind, die Geld hierher bringen. Berlin – das sind „die Events, die hier stattfinden“, Air Berlin bringt Leute her und weg. „Ein fantastisches Unternehmen“, sagt Pflüger.

Beim folgenden Schulbesuch kommt der Kandidat häufiger zu Wort. 620 Mädchen und Jungen besuchen die Katholische Liebfrauen-Schule in der Ahornallee am Theodor-Heuss-Platz. Leiterin Cornelia Wehr im hellbraunen Kostüm sagt, 90 Schüler würden pro Schuljahr aufgenommen, 70 müsse sie abweisen. Dass sie dem Besucher nur Gebäck anbietet, begründet sich mit dem Aschermittwoch und dem Beginn der Fastenzeit. Pflüger, der über sich selbst lachen kann, bringt nur ein „Uuups“ hervor, denn gerade kräftigt er sich mit der Trockennahrung.

Die beiden sind sich schnell darüber einig, dass Wahlfreiheit zwischen Religion und Ethik für die Berliner Schüler das Mindeste sei, anstatt sie zum Fach Ethik zu zwingen. „Es wäre schön, wenn Sie uns nicht vergessen“, sagt die Leiterin zum Abschied. „Ganz im Gegenteil“, verspricht Pflüger. Beim politischen Aschrmittwoch am Abend lässt er erkennen, dass er auch den politischen Überbau im Blick hat: Die CDU müsse Wowereit im September die Rote Karte zeigen, „damit Rot-Rot kein Modell für den Bund wird. Das ist nicht gut für Deutschland.“

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