Berlin : Berlin im Wahlkampf: "Wir wollen Macht ausüben"

Ulrich Zawatka-Gerlach

Jetzt wissen wir es: Frank Steffel ist ein Berliner und Klaus Wowereit ist ein europäischer Berliner. Das haben sie beide um "halb Zwölf" am Sonntag, präsentiert im ZDF von Ruprecht Eser, gesagt. Und wir wissen jetzt, dass beide Spitzenkandidaten Visionen haben. Steffel will Berlin "interessant für die Besten der Welt" machen, aber das geht nicht mit Rot-Grün oder Rot-Rot. Wowereit will eine "weltoffene, tolerante, internationale Stadt" und möglichst viele Menschen einladen, nach Berlin zu kommen.

Zum Thema Online Spezial:
Berlin-Wahl 2001
WahlStreet.de:
Die Wahlbörse bei Tagesspiegel Online
Foto-Tour:
Die Berliner Spitzenkandidaten
Das hört sich ähnlich an, aber die beiden Politiker, die eine halbe Stunde lang beharrlich aneinander vorbei schauten und den Moderator fixierten, als sei er ihr Therapeut, legten durchaus Wert auf Unterschiedlichkeit. "Wir sind auch persönlich ein Kontrastprogramm", sagte der Mann von der SPD. Steffel sei rechts und konservativ. "Menschen sind schon unterschiedlich", sagte der Mann von der CDU. Wowereit habe sein Leben ja im öffentlichen Dienst verbracht.

Sonntäglich ruhig plätscherte das Dreiergespräch vor sich hin. Eser ist nicht Friedman, und beide Spitzenkandidaten beantworteten diszipliniert die hoch seriösen Fragen. Wie ist der Hamburger Wahlsieg von Ronald Schill einzuschätzen? Gibt es auch in Berlin einen Wahlkampf-Wettlauf um die Innere Sicherheit? Zeigen die Grünen erkennbar Schwäche? Nur einmal zuckte Steffel kurz zusammen. "Sind Sie der natürliche Verlierer; es sieht im Augenblick doch sehr mies für Sie aus?", fragte der Moderator keck. "Das Image des Verlierers halte ich für einen schlechten Begriff." Rasch verwies der CDU-Jungpolitiker auf sein erfolgreiches Unternehmertum und dass er eben nicht eine so lange Politikerkarriere hinter sich habe wie Wowereit.

Der Konkurrent von der SPD reagierte kühl. Er könne darin keinen Vorwurf sehen, wenn sich jemand frühzeitig in einer Partei engagiere. Der muntere Wortwechsel zwischen den Kandidaten, der an dieser Stelle aufflammte, brach aber nach drei Minuten in sich zusammen und den Fernsehzuschauern bot sich wieder das Standardbild: ein routinierter, angenehmer, lockerer Eser. Ein angriffslustig über den Tisch gebeugter Steffel. Ein lässig zurückgelehnter, staatsmännischer Wowereit, der nur einmal - am Beginn der Sendung - ein wenig fies wurde. "Man mag sich persönlich nicht besonders?", lautete die Frage. "Wo Sie Recht haben, haben Sie Recht", meinte Wowereit. Diese Antwort war Steffel unangenehm. Er mag es nicht, nicht gemocht zu werden.

Dann wurde über die Koalitionsfrage philosophiert, mit bekanntem Ergebnis: Große Koalition: definitiv ausgeschlossen. Rot-Grün: bekommt keine Mehrheit (Steffel); es könnte reichen (Wowereit). Der CDU-Politiker wies noch ergänzend darauf hin, dass Ampelkoalitionen in Deutschland noch nie das Ende einer Wahlperiode erreicht hätten. Der SPD-Spitzenkandidat ließ sich darauf nicht ein, sprach auch nicht über die PDS und fasste in vier Worten zusammen, worauf es ihm ankommt: "Wir wollen Macht ausüben". Unausgesprochen blieb: Dazu benötigt man eine Mehrheit und die finde ich schon. Über die innere Sicherheit wurde natürlich gesprochen und über Toleranz. Über Schill und Schily, und am Ende wurde ein Wette abgeschlossen. Wer wird Regierender Bürgermeister von Berlin ? "Wenn ich die Wahlen gewinne, lade ich Herrn Wowereit gern zum Essen und auf ein Bier ein", versprach Steffel. "Ich gehe davon aus, dass ich die Wahlen gewinne und lade Sie deshalb beide zum Essen ein", kündigte Wowereit an. Und wenn er doch verliere?, intervenierte Eser. "Dann bin ich ja schon bei Herrn Steffel eingeladen". Da mussten alle drei herzlich lachen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar