Berlin : Berlin in der Krise: Die Umzugskisten werden schon gepackt

Barbara Junge

Vor dem Amtszimmer des Regierenden Bürgermeisters stehen schon die Umzugskartons. So berichten Mitarbeiter des Hauses. Darin sollen Bilder, Unterlagen und vielleicht ja auch der Teppich, auf dem so manche Koalitionskrise ausgefochten wurde, verschwinden. Auch vor dem Zimmer des Senatssprechers Michael-Andreas Butz wurden bereits die verräterischen Kisten gesichtet.

Schon zweimal waren im persönlichen Büro Eberhard Diepgens die Kisten gepackt worden. Einmal im Dezember 1990 nach dem Sieg von Rot-Grün, eine zweites Mal im Herbst 1991. Am 24. September hatte Diepgen die Schlüssel des Schöneberger Rathauses zurückgegeben; und am darauffolgenden Dienstag aus den Händen des damaligen Bausenators Wolfgang Nagel (SPD) förmlich den Schlüssel zum Roten Rathaus entgegengenommen. Seit dem regiert und residiert hier Eberhard Diepgen - und mit ihm eine Vielzahl Angestellter, Fachbeamter und politischer Berater.

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Fototour: Die Bilder der Krise Nicht jede Mitarbeiterin, nicht jeder Mitarbeiter muss bei einem Machtwechsel gehen. Christa Fischer, die Dietrich Stobbe seine "Starsekretärin" nannte, hatte fünf Regierenden Bürgermeistern als Sekretärin gedient - von 1977 bis zum 1. Juni 1995. Neben Stobbe auch Hans-Jochen Vogel, Richard von Weizsäcker, Walter Momper und eben Eberhard Diepgen, der sie schließlich in den Ruhestand verabschiedet hat. Sekretärinnen überdauern die Regierenden Bürgermeister und werden es auch jetzt vermutlich wieder tun. Auch die Fachbeamten werden sich auf den Wechsel einstellen - zumal bei einem Übergangssenat.

Doch ohne neues politisches Personal wird auch dieser Wechsel nicht vor sich gehen. "Wir haben darüber noch nicht beraten", beteuert ein Sozialdemokrat. Man sei noch dabei, die Situation zu sortieren, große Umstrukturierungen werde es jedoch auf keinen Fall geben. Weder könne man auf die Experten verzichten, noch wolle man in dieser Situation eine Machtübernahme zelebrieren. Auch will die SPD darauf achten, dass keine erheblichen zusätzlichen Kosten durch die neue Führung im Roten Rathaus entstehen. "Wir werden Gespräche führen und dabei sehen, wer mit uns und mit wem wir weiter zusammenarbeiten können."

Mit Senatssprecher Michael-Andreas Butz ist ein solches Gespräch nicht vorgesehen. Senatssprecher sind parteipolitisch ausgewählt und bei Diepgens langjährigem Weggefährten bestehen an seiner politischen Orientierung keine Zweifel. Auch der Chef der Senatskanzlei, Volker Kähne, wird wohl seine Stellung aufgeben. Der "CDS", wie er amtsintern abgekürzt wird, ist die Vertrauensperson des Regierenden Bürgermeisters. Über seinen Schreibtisch gehen alle Vorgänge. Für die Zeit eines Übergangssenats könnte möglicherweise Gerd Wartenberg (SPD), der jetzige Bevollmächtigte Berlins beim Bund, als Chef der Senatskanzlei aufrücken.

Nicht ganz so eindeutig verhält sich die Frage bei einer Person wie Elmar Pieroth, seines Zeichens Osteuropa-Beauftragter des Regierenden Bürgermeisters und früherer CDU-Senator. Auch die Europa-Beauftragte des Landes, Hildegard Boucsein, ist im Besitz eines CDU-Parteibuchs und parteipolitisch engagiert. Und unter den Abteilungsleitern der Senatskanzlei ist noch einer, mit dem eventuell ein Gespräch stattfinden könnte. Christopher Braun, zuständig für Presse Information und Medienpolitik, ein von Christ- wie Sozialdemokraten geschätzter Mann, war früher Büroleiter und enger Vertrauensmann Diepgens.

Auch der designierte Neuling im Roten Rathaus, SPD-Fraktionschef Klaus Wowereit, muss ein eigenes persönliches Büro führen. Und Diepgens Büroleiter Frank Henkel wird nicht der Büroleiter für Wowereit sein. Schließlich wartet auch auf Ansgar Vössing, dem Chef der Redenschreiber der Senatskanzlei, eine letzte Aufgabe in seiner Funktion: Eine würdige Abgangsrede für Eberhard Diepgen vorzubereiten.

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