Berlin in Peking : „Ich bin ein Beijinger!“

Das Berliner Rap-Duo Feichang Fresh wirbt in seinen Songs für kulturelle Annäherung zwischen Deutschen und Chinesen.

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In China ganz groß. Arseny Knaifel (links) und Jacques Wecke sind zu chinesisch rappenden Botschaftern Berlins in Peking geworden.
In China ganz groß. Arseny Knaifel (links) und Jacques Wecke sind zu chinesisch rappenden Botschaftern Berlins in Peking geworden.Foto: promo

In China sind sie kleine Stars, zumindest sind sie dort die Art von Internetberühmtheiten, die durchaus auf der Straße erkannt werden. Die Studenten Arseny Knaifel und Jacques Wecke aus Berlin, der eine 27, der andere 26 Jahre alt, kennt hier hingegen kaum jemand. Beide gingen als Austauschstudenten nach China und schon nach ein paar Monaten begann das Abenteuer, das sie bis heute prägt – und das ihnen einen Platz in der Delegation von Klaus Wowereit eingebracht hat.

Vor vier Jahren lernten sich die Berliner bei einem Einführungskurs während ihres Studiums in Peking kennen. Auf einem von der Uni organisierten Ausflug nach Tibet, so erzählen sie, haben sie festgestellt, dass sie einen ähnlichen Musikgeschmack haben. Dann ging alles rasend schnell. „Wir waren gleich begeistert von Peking“, erzählt Knaifel, „von dem pulsierenden Leben dort. Schon nach zwei Monaten in China hatten wir beschlossen: Wir müssen einen Song über Peking machen.“ Natürlich einen Liebessong.

Musikalische Grundkenntnisse waren vorhanden, Knaifel machte mal in einer Rockband mit und Wecke spielte Klavier. Schnell war aber klar, dass der einfachste und billigste Weg, die Idee mit der Hymne an Peking umzusetzen, nicht über die Gründung einer gemeinsamen Rockband und erst recht nicht über das Klavier führen würde. Nein, „A Beijing Love Song“, der erste Titel von Feichang Fresh, wie sich Wecke und Knaifel nun nannten, war eine Hip-Hop-Nummer. Deren Witz liegt vor allem in dem Irritationsmoment, der dadurch entsteht, dass man in dem dazugehörigen Videoclip ein paar Studenten aus dem Westen sieht, die sich ausgerechnet das Chinesische als Rapsprache erschließen.

Das Video verbreitete sich auf Youku wie ein Lauffeuer

Sie und zwei weitere befreundete Austauschstudenten spacken in dem Clip durch eine Studentenbude, tanzen dazu mehr schlecht als recht und schwenken immer wieder die chinesische Fahne. Etwas Alkohol war ganz offensichtlich auch im Spiel. „Das Ganze ist nicht mit der Idee gestartet, dass wir jetzt professionell Musik machen möchten“, sagt Knaifel, „sondern mit der Idee, dass zwei Kumpels in Peking eine gute Zeit haben und aus Spaß einen chinesischen Rapsong machen wollen.“

Den Clip hatten die frischgebackenen Rapper dann auf Youku hochgeladen, dem chinesischen Pendant zu Youtube. Eher so für sich und für ein paar Freunde. Innerhalb von 24 Stunden wurde der Clip 5000 Mal geteilt, dann 10 000 Mal. Das Video von den Studenten aus dem Westen, die auf Chinesisch rappen, verbreitete sich bald wie ein Lauffeuer, Youku stellte es irgendwann auf seine Startseite. Am Ende wurde es eine halbe Million Mal aufgerufen.

Inzwischen sind Jacques Wecke und Arseny Knaifel wieder zurück in Deutschland. Die Sache mit der Musik, den Videoclips und China begleitet sie aber weiterhin. Irre Dynamiken sind entstanden, auch in Deutschland. Songs von Feichang Fresh werden mittlerweile sogar im Chinesischunterricht an Schulen und Universitäten eingesetzt.

Der neue Titel ist der erste deutsch-chinesische Rapsong

Gemeinsam haben die Teilzeitrapper auch eine kleine Kreativagentur in Berlin gegründet, die sich hauptsächlich um die Produktion von Videos kümmert. Kein Wunder also, dass der neueste Song samt Clip von Feichang Fresh nur noch wenig mit der bierseligen Spontan-Ästhetik von „A Beijing Love Song“ gemein hat.

„#FFBB“ ist eine Auftragsarbeit für die Feierlichkeiten zu 20 Jahren Städtepartnerschaft Berlin-Peking, deren Titelsong sozusagen. Man hatte ein Budget zur Verfügung und das sieht man dem hochprofessionell gemachten Clip auch an. Bilder aus Peking und Berlin werden so miteinander verbunden, dass man manchmal gar nicht weiß, ob man nun gerade eine Impression von hier oder von drüben sieht.

Auch inhaltlich hat man sich etwas einfallen lassen, „#FFBB“ ist, so Knaifel, „der erste deutsch-chinesische Rapsong, vielleicht sogar der erste deutsch-chinesische Song überhaupt.“ Verse werden auf Chinesisch begonnen und enden auf Deutsch. Zwei für eher unvereinbar gehaltene Sprachen fließen so ineinander. Eine sprachliche Annäherung könnte der Beginn für ein besseres Verständnis untereinander sein, diese Message spricht aus „#FFBB“. Peking wird als „Stadt der Schwalben“ besungen, Berlin als die der Bären. Schließlich gipfeln all die Verwebungen in dem Satz: „Ich bin ein Beijinger“.

Auch Klaus Wowereit dürfte froh sein

Dem Liebeslied an Peking ist mit „#FFBB“ die Widmung an Peking und Berlin gefolgt, den, wie Knaifel und Wecke auf ihrer Facebook-Seite verlauten lassen, „krassesten Städten des Planeten.“

Dass sie diesen Song nun gleich zwei Mal in Peking performen werden, einmal in Pekings beliebtester Einkaufsstraße und dann in der Deutschen Botschaft, halten Knaifel und Wecke für ihr ganz persönliches Glück. Einfach schon deswegen, weil sie mal wieder zurück in China sind.

Aber die beiden sind auch angemessen unbescheiden genug zu sagen, dass das doch auch für Klaus Wowereit ganz schön sei, nicht nur Anzugträger, sondern zwei Jungs, die Musik machen, mitnehmen zu können. „Außerdem“, sagt Wecke, „gibt es niemanden sonst, der so kurzweilig den Bezug zwischen Peking und Berlin herstellen kann wie wir. Weil wir diesen mit unserer Biografie gelebt haben, weil wir darüber singen und sogar noch in der Lage sind, das in beiden Sprachen auszudrücken.“

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