Berlin : Berlin ist Drehscheibe des internationalen Drogenhandels

WERNER SCHMIDT

BERLIN .Die Spürnase eines Drogenhundes in Frankfurt (Oder) hat den größten Heroindeal in der deutschen Geschichte vereitelt.316 Kilo Heroin im Schwarzmarktwert von 25 Millionen Mark werden in absehbarer Zukunft in den Verbrennungsofen wandern.Experten schließen nicht aus, daß der Stoff für Berlin bestimmt war und von hier aus verteilt werden sollte.Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Drehscheibe im illegalen Drogenhandel entwickelt.



Aus den über sechs Zentnern Heroin wären für den Drogenmarkt sogar vermutlich weit über drei Tonnen geworden, denn die Dealer verdünnen den konzentrierten Stoff sehr stark mit unterschiedlichen "Streckstoffen", beispielsweise Traubenzucker, bevor sie das Heroin dann in Szenepäckchen auf den Markt bringen.Entsprechend gestiegen wäre auch der Verkaufswert: Experten rechnen mit rund 150 Millionen Mark.

In Berlin haben der Polizei zufolge zehn libanesische Familien - die inzwischen fast alle deutsche Pässe besitzen - den hiesigen Drogenmarkt fest im Griff.Türken oftmals kurdischer Herkunft bringen den Stoff in die Stadt.Dabei werden ständig neue Methoden ausgetüftelt, um das Rauschgift unbehelligt über die Grenzen zu transportieren.Es geht dann von hier aus in das Bundesgebiet, aber auch ins benachbarte Ausland wie die Niederlande.Von dort erhalten die hiesigen Dealer umgekehrt Kokain aus Südamerika.

Als der Balkan noch gefahrlos über den Autoput via Jugoslawien befahrbar war, brachten nach Einschätzung der Polizei viele Türken auf Urlaubsreisen Drogen mit.Inzwischen hat sich eine neue Route abseits der Krisengebiete des ehemaligen Jugoslawien etabliert, etwa über Bulgarien und Ungarn.Da aber türkische Reisende an den Grenzen mißtrauischer beobachtet werden, haben sich die Drogenhändler neue Tricks einfallen lassen: Im vergangenen Jahr wurde ein aus Berlin stammendes Paar festgenommen, das 60 Kilo Heroin im Wohnwagen hatte.Ein 22jähriger Einzelreisender hatte sogar 70 Kilo Heroin im Wohnmobil.Beide Drogenkuriere waren in Berlin angeheuert worden und sollten für den gefährlichen Transport mit 50 000 Mark entlohnt werden.Bei der Ausreise waren sie aber an der Westgrenze der Türkei aufgeflogen.Als Kuriere wurden gezielt unbescholtene deutsche Familien ausgewählt, berichtete die Polizei damals.

Anfang 1998 war in Berlin eine Bande aufgeflogen, als sie elf Kilo Heroin in Richtung Frankfurt (Main) abtransportieren wollte.Das Rauschgift mit einem Reinheitsgehalt von 80 Prozent stammte ebenfalls aus der Osttürkei.In einem Kreuzberger Im- und Exportgeschäft wurde es gelagert, bis die Polizei zugriff.Die Brutalität von Drogenhändlern nimmt nach Erfahrung der Polizei deutlich zu.Immer häufiger werden bei Einsätzen gegen Dealer auch geladene scharfe Waffen sichergestellt.

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