Berlin : „Berlin ist eine soldatenfreundliche Stadt“

Brigadegeneral Victor von Wilcken kommandiert die Bundeswehr in der Hauptstadt und fühlt sich und die Truppe gut aufgehoben

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Herr General, Sie sind seit einem Jahr Standortkommandant von Berlin. Sind sie gut angekommen in Berlin?

Ich bin sehr gut angekommen, sowohl dienstlich als auch privat. Meine Frau und ich fühlen uns sehr wohl hier.

Die Bundeswehr ist vor 15 Jahren in Berlin angekommen. Ist sie von der Gesellschaft und der Politik angenommen worden?

Die Bundeswehr ist am Tag der Deutschen Einheit 1990 nach Berlin gekommen. Die West-Berliner kannten die Bundeswehr kaum, sie waren vor allem an die Alliierten gewöhnt. Nach 15 Jahren ist der Prozess sehr gut fortgeschritten. 80000 junge Berliner und Berlinerinnen haben seitdem in der Bundeswehr gedient. Wir haben mittlerweile mit neun Bezirken der Stadt lebendige Patenschaften. Zum Senat haben wir vertrauensvolle Beziehungen entwickelt. Wir sind angekommen, aber es gibt immer noch einiges zu tun.

In der Öffentlichkeit wahrgenommen wird die Bundeswehr vor allem am 20. Juli, wenn das Rekrutengelöbnis am Bendlerblock stattfindet – in einem Hochsicherheitstrakt. Kann die Bundeswehr nur unter massivem Polizeischutz feiern?

Meine Erfahrung nach einem Jahr ist, dass wir durchweg freundlich und positiv aufgenommen werden. Leider gibt es eine kleine Minderheit, die immer wieder versucht, diese Zeremonie zu stören. Der Würde dieses Ereignisses, dem Gedenken der Männer des Widerstandes gegen Hitler, ist es geschuldet, dass diese Zeremonien geordnet ablaufen. Deshalb müssen wir zu diesen Absperrmaßnahmen greifen. Es ist bedauerlich, dass die wenigen, die gegen uns sind, das Bild bestimmen. Berlin ist eine soldatenfreundliche Stadt. Bisher hat mir keiner meiner Soldaten berichtet, dass er wegen seiner Uniform Unerfreuliches erlebt hat.

Welche Einheiten und wie viele Soldaten haben wir denn in Berlin?

Rund 6000 Soldaten und zivile Mitarbeiter in über 50 Dienststellen in zehn Liegenschaften und Kasernen. Der größte Truppenteil ist das Wachbataillon, das zu meinem Kommandobereich gehört. Wir haben das Feldjägerbataillon, das vor allem Sicherungs- und protokollarische Aufgaben für den Dienstsitz des Ministers wahrnimmt. Wir haben das Bundeswehrkrankenhaus hier, den Stab der dritten Luftwaffendivision in Gatow, das Lazarettregiment in Kladow, die Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Pankow, das Kreiswehrersatzamt und die Flugbereitschaft in Tegel, um die wesentlichen zu nennen.

Das ist die Bundeswehr in Berlin. Wie ist denn der Berliner in der Bundeswehr?

Es gibt natürlich landsmannschaftliche Eigenheiten bei unseren Soldaten. Der Berliner Rekrut ist offen, er hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, aber man kann gut mit ihm zusammenarbeiten.

Und wie viele Berliner haben den Kriegsdienst verweigert?

Von den 220000 wehrpflichtigen Berlinern seit 1991 haben 105000 verweigert. Im Bundesdurchschnitt verweigert nur jeder Dritte.

Sie haben 1968 bei der Panzeraufklärungstruppe an der innerdeutschen Grenze in Hessen ihren Dienst begonnen. 1990 kamen sie dann mit den ersten Soldaten der Bundeswehr nach Strausberg. Wie haben sie das Zusammenwachsen erlebt?

Die Überwindung der Teilung war auch für die Bundeswehr eine Zäsur. Ich habe 1990 als Adjutant von General Schönbohm in Strausberg diesen Einigungsprozess und die Übernahme der Nationalen Volksarmee miterlebt. Das war eine einmalige Zeit. Der Beitrag zum Gelingen des Prozesses von Seiten der ehemaligen Angehörigen der NVA, die sich trotz ungewisser persönlicher Zukunft engagierten, wird mir immer bewusst bleiben.

Sie sind jetzt General in Berlin. Wie viele Soldaten hören denn auf ihr Kommando?

3000 Soldaten, Soldatinnen und zivile Mitarbeiter gehören zum Standortkommando Berlin.

Panzer gibt es aber nicht in Berlin?

Nein.

Was macht denn ein General in Berlin?

Ich habe drei wesentliche Aufgaben. Zunächst einmal bin ich Kommandeur und damit verantwortlich für Ausbildung und Führung von 3000 Soldaten. Dann bin ich Repräsentant der Bundeswehr in Berlin. Und wir haben eine wichtige Aufgabe in der Gestaltung der zivil-militärischen Zusammenarbeit mit dem Senat.

Allgemein schrumpft die Bundeswehr, wie sehen die Planungen für Berlin aus?

In Berlin geben wir keine Liegenschaften auf. Wir werden aber im kommenden Jahr eine Reduzierung um etwa vier Prozent erfahren, so wird das Kommando der 3. Luftwaffendivision aufgelöst, das Führungsunterstützungsregiment 38 wird aus der Julius-Leber-Kaserne nach Storkow verlegt.

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