Berlin : Berlin ist schön – schön dreckig

ABFALLSTATISTIK: Immer mehr Müll landet auf den Straßen

Gerald Drissner

Reiht man 2750 Sattelschlepper hintereinander, bildet sich eine Schlange, die 50 Kilometer lang ist. Die Ladefläche fasst 90000 Tonnen und könnte fast die gesamte jährliche Erdbeerernte in Deutschland tragen. Doch 90000 Tonnen sind auch ziemlich genau jene Menge an Dreck und Müll, die in einem Jahr auf den Berliner Straßen landet, wie eine Untersuchung des Statistischen Landesamts zeigt. Die Experten haben die Daten für 2002 ausgewertet, die aktuellen Zahlen für 2003 liegen erst am Jahresende vor.

Die Statistik zeigt: Berlin ist schön, aber auch ganz schön dreckig – die Leute schmeißen immer mehr weg: So hat der Straßenkehricht im Jahr 2002 im Vergleich zu 2000 fast um die Hälfte zugenommen. Doch die Bierflaschen, Dosen und Zeitungen landen nicht nur auf der Straße: 7000 Tonnen Abfälle wurden in die 20000 Straßenpapierkörbe geworfen. 190 Millionen Euro wendet die Stadtreinigung jährlich für die Straßenreinigung auf, sagt Thomas Klöckner von der BSR. Drastisch zugenommen hat der Müll in den Parks, er hat sich im Vergleich zum Jahr 2000 verdreifacht. Dagegen hat sich die Menge an Bauschutt im Zweijahresvergleich halbiert: von 1,2 Millionen auf 640000 Tonnen im Jahr 2002. „In Berlin wird weniger gebaut, es gibt weniger Großbaustellen“, begründet das Statistische Landesamt.

Auch wenn manche Berliner ihren Müll auf die Straße werfen – der Großteil bringt die Verpackung zu den Sammelstellen. Doch die Trennmengen sinken von Jahr zu Jahr. Im Vergleich zu 1998 wurde ein Drittel weniger Glas gesammelt – die Berliner griffen zur Einwegflasche, denn 2002 gab es noch kein Dosenpfand. „Hier leben viele Singles, die schleppen nicht gern schwere Kisten“, sagt Bärbel Naether vom Entsorger Alba. Großstädte sind anonymer als Dörfer, auch deshalb wird in Berlin weniger getrennt. „Wer in einem Block wohnt, schert sich wenig um die Müllkosten“, sagt Naether. Der Jogurtbecher mit Grünem Punkt lande deshalb oft im Restmüll. Doch es ist nicht nur die schlechte Trennungsmoral. Zahnpasta war früher zusätzlich in einem Karton eingepackt – heute nicht mehr. Die Hersteller verwenden weniger Verpackungsmaterial, um die Lizenzgebühren für den Grünen Punkt zu drücken.

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