Berlin : „Berlin ist total hässlich“

Warum dennoch jedes Jahr 2700 ausländische Erasmus-Studenten an die Unis kommen

Marianna Mamonova

Immer mehr Studenten zieht es an die Universitäten. Über 120 000 Interessenten bewarben sich in den letzen beiden Semestern an den Hochschulen. Nicht nur junge Menschen aus allen Ecken Deutschlands zieht es zum Studieren in die Hauptstadt. Auch bei den Erasmus-Studenten ist Berlin sehr beliebt.

Jedes Jahr kommen 2700 ausländische Studenten mit dem Erasmus-Programm an die Universitäten. Carola Beckmeier von der Technischen Universität bestätigt, dass Berlin für ein Auslandssemester immer attraktiver wird. Die Anzahl der Studenten, die mit dem Erasmus Programm nach Berlin kommen, liege derzeit sogar höher, als die der Studenten, die aus Berlin weggehen.

Die Italienerin Gloria Riccarducci hatte erst noch Zweifel. Sie dachte, die Deutschen wären unfreundlich, und es wäre schwer, Leute kennen zu lernen. Ihre Vorurteile verflogen jedoch schon am ersten Tag. „Ich war total überrascht, dass die Berliner nicht so kühl zu mir waren, wie ich es befürchtet hatte.“ Andere Erwartungen wurden dagegen sofort enttäuscht. „Ich nahm an, dass Berlin eine schöne Stadt ist, aber das ist sie nicht“, sagt sie lächelnd. „Wenn du aus Rom kommst, sind deine Erwartungen vielleicht etwas zu hoch. Berlin ist zum Teil total hässlich.“ Allerdings mag sie Berlin „auch gerade deswegen“ so gern. Beate Körner vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) findet, dass Berlin „sicherlich einen Attraktivitätsfaktor hat, den andere Städte nicht haben“. Am wichtigsten sei, dass „sich in Berlin auch die finanziellen Ausgaben für Studenten im Rahmen halten“.

Diese Erfahrung hat auch Camille Richez gemacht. „Hier in Berlin kann man sich als Student leisten, in Restaurants zu gehen, das geht in Paris nicht“, sagt die junge Französin. Sie hat sogar nach ihrem Erasmusjahr beschlossen, gleich ihren Master in Musikwissenschaft zu machen. Nach Paris zurückkehren wollte die 25-Jährige einfach nicht mehr. „Ich habe mich in die Stadt total verliebt.“ Berlin sei nicht so stressig wie Paris. Die Stadt sei sogar „total gemütlich“. Das Hochschulprogramm Erasmus steht für den geförderten Austausch der Studierenden aller Länder in Europa. Es soll die Auslandsmobilität der Studenten in Europa verbessern und die interkulturellen Kompetenzen fördern. Dank des Erasmus-Programms haben die Studierenden eine große Auswahl. Sie können sich für das Auslandsstudium zwischen mehr als 30 Ländern entscheiden.

Auch Cristina Vilari entschied sich für Berlin. Die Italienerin hatte schon eine Zusage für Bielefeld. Aber sie wollte nur nach Berlin. Das hat auch geklappt. Sie schätzt an der Stadt die bunte Vielfalt. Es gäbe hier so viel zu entdecken: „Spannende Menschen und viel kulturell Neues“. Ihr Lieblingsplatz in Berlin ist der Türkischen Markt am Maybachufer in Kreuzberg. Da gehe sie mehrmals die Woche hin, um einzukaufen oder um einfach an der Spree in der Sonne zu liegen.

Gloria Riccarducci sei immer klar gewesen, dass sie nicht in Italien bleiben möchte. An Deutschland schätzt sie die große Sicherheit. Damit meint sie nicht zuletzt jene Seite Deutschlands, die vielen anderen Einwanderern so lästig erscheint: „Die deutsche Bürokratie ist super. Es ist unglaublich. Wenn du umziehst, bekommst du deine Lohnsteuerkarte per Post zugeschickt.“ Deswegen will Gloria am liebsten gar nicht mehr weg aus Berlin.

Nach dem Ende des Erasmus-Aufenthaltes versuchen viele Studenten, in Deutschland zu bleiben. Das ist laut dem DAAD nicht gegen die Grundsätze von Erasmus. Die Studenten sind „in gewisser Weise Botschafter ihres Heimatlandes“, so Beate Körner. Mobilität innerhalb Europas ist laut dem Programm auf jeden Fall erwünscht.Marianna Mamonova

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