Berlin : Jagdfeld junior im Visier der Fahnder

Die Unternehmensgruppe der Familie Jagdfeld hat in Berlin mit dem Geld privater Anleger spektakuläre Bauprojekte realisiert, etwa das Hotel Adlon. Nun ermittelt der Staatsanwaltschaft gegen den Sohn des Fondsmultis.

Ralf Schönball
Jagdfeld junioor
Alles Meo. Für die Privatklinik in der Friedrichstraße arbeiten rund 60 Mitarbeiter. -Foto: Mike Wolff

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen Nikolaus Jagdfeld. Der Vorwurf gegen den jüngsten Sohn von Fondsmulti Anno August Jagdfeld steht im Zusammenhang mit der Geschäftsführung der Meoclinic. Die private Klinik befindet sich im Quartier 206 in der Friedrichstraße, das zum Vermögen der Unternehmerfamilie gehört. Nikolaus Jagdfeld, 29, ist dort als Geschäftsführer tätig. Die Ermittlungen wurden im Mai 2007 aufgrund einer privaten Anzeige eingeleitet, sagte Justizsprecherin Simone Herbeth auf Anfrage. Weitere Details zur bereits fast ein Jahr laufenden Ermittlung wollte sie nicht nennen.

Die Unternehmensgruppe der Familie Jagdfeld hat in Berlin mit dem Geld privater Anleger spektakuläre Bauprojekte realisiert: das Hotel Adlon am Pariser Platz zum Beispiel. Die Gruppe hatte außerdem das Baufeld zwischen Oranienburger und Friedrichstraße erworben, auf dem das Kunsthaus Tacheles steht. Auch das Grand Hotel Heiligendamm an der Ostsee zählt zu den Projekten von Fundus. Dort hatte vor zwei Jahren der G-8-Wirtschaftsgipfel der führenden Industrienationen stattgefunden. Einige dieser Projekte und Fonds waren zuletzt allerdings in Turbulenzen geraten.

Insolvenzverschleppung würde bedeuten, dass eine drohende Zahlungsunfähigkeit bewusst geheim gehalten wird, anstatt ein Insolvenzverfahren einzuleiten. Das wäre zum Nachteil von Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Sie würden in diesem Falle im guten Glauben weiter Leistungen erbringen oder Waren liefern, obwohl deren Bezahlung in Frage gestellt ist.

Nikolaus Jagdfeld sagt: „Die Vorwürfe sind haltlos“. Er vermutet, dass die Anzeige vom früheren Geschäftsführer der Meoclinic gestellt worden sein könnte. Anna Maria Jagdfeld, die Mutter von Nikolaus Jagdfeld, habe dem einstigen Klinikchef 2007 fristlos gekündigt. „Er hatte nicht im Interesse der Gesellschafter gehandelt“, erklärt Nikolaus Jagdfeld. Der jährliche Umsatz der Meoclinic liege heute bei rund sieben Millionen Euro. Es seien 80 Mitarbeiter angestellt. Und das Haus, dessen Ärzte ausschließlich Privatpatienten behandeln, sei erfolgreich saniert. Der junge Unternehmer hatte die Geschäfte der Klinik Mitte 2007 übernommen und leitet diese mit dem ärztlichen Direktor Professor Jürgen Mäurer.

Familienoberhaupt Anno August Jagdfeld hält den Vorwurf der Insolvenzverschleppung für abenteuerlich. „Die Meoclinic hat überhaupt keine Kredite und ist nur mit Eigenkapital der Familie finanziert“. Eine Insolvenz sei deshalb gar nicht möglich. Der Ex-Chef der Meoclinic sagt: „Ich habe die Meoclinic mit deutlich schwarzen Zahlen im Mai 2007 verlassen. Zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Hauses kann ich nichts sagen“, so Heinz Zurbrügg. Zu den Umständen seines Ausscheidens wollte er sich nicht äußern. Zurzeit baut Zurbrügg ein Ärztezentrum in Mitte auf.

Nikolaus Jagdfeld ist außerdem als „Gesellschafter“ bei zahlreichen anderen Fundus-Gesellschaften eingetragen. Darunter ist auch die Firma „Johannishof Immobilien GmbH und Co KG“. Diese ist Eigentümerin des Tacheles-Geländes. Auf dem Areal sollte ein Ensemble aus Wohn- und Geschäftshäusern entstehen. Seit 2003 gibt es eine Baugenehmigung. Das Vorhaben wurde aber nicht realisiert. Das Areal steht zurzeit unter Zwangsverwaltung. Eine Zwangsversteigerung des Grundstückes, das mit Bankschulden in Höhe von 70 Millionen Euro belastet ist, wird vom Amtsgericht betrieben.

Auseinandersetzungen gibt es auch um das Grand Hotel Heiligendamm, ein weiteres Projekt der Fundus-Gruppe. Anfang dieser Woche stieg der Betreiber, die Hotelgruppe Kempinski, aus: „Grund dafür sind Vertragsbrüche und die Nichtzahlung von Managementgebühren der letzten zwei Jahre“, heißt es bei Kempinski. Jagdfeld senior kontert: „Die Auslastung des Hotels und die Einnahmen lagen unter der Regie von Kempinski deutlich unter den Erwartungen der Anleger.“ Nun werde der Eigentümer das Hotel „mit zwei Direktoren weiterführen“. Geplant sei unter anderem, „eine kleine Filiale“ des im Adlon erfolgreichen China-Clubs im Grand Hotel Heiligendamm einzurichten – „um da auch gastronomisch zu glänzen“, so Jagdfeld.

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