Berlin-Karlshorst : Aus DDR-Kulturhaus wird erste deutsche Imam-Schule

Bald geht der Unterricht los: In der ersten deutschen Imam-Schule werden in Berlin demnächst 32 junge Muslime zum Religionslehrer und Vorbeter einer Moscheegemeinde ausgebildet. 20 Jahre nach dem Mauerfall wird das ehemalige DDR-Kulturhaus zum Synonym für Integration.

Harald Rohde[dpa]

Berlin Im Kulturhaus der DDR-Eisenbahner in Berlin-Karlshorst ging es oft hoch her, wenn verdiente Aktivisten ihre Auszeichnungen begossen. Heute, 20 Jahre nach dem Mauerfall, stehen dort irdische Themen nicht mehr im Vordergrund. Nun dreht sich alles um Allah. Aus dem Kulturhaus ist die erste deutschsprachige Imam-Schule der Bundesrepublik geworden.

In der privaten Einrichtung erhalten junge Muslime eine Ausbildung, mit der sie in einigen Jahren als Religionsgelehrter und Vorbeter (Imam bzw. Hodscha) zu einer Moscheegemeinde gehen können. Die Aufnahmeprüfungen sind beendet, mehrere Internatszimmer bezogen. Es laufen Kurse zur Vorbereitung. Bald wird der richtige Unterricht losgehen, in zunächst zwei Klassen mit jeweils 16 Studenten.

Keine staatlich anerkannten Abschlüsse

"Wir warten nur noch auf die offizielle Eintragung in das Berliner Schulverzeichnis", sagt Schulleiter Alexander Weiger. Er ist zum Islam konvertiert und wird Deutsch und Gesellschaftskunde unterrichten. Eine Genehmigung braucht die Privatschule nicht, weil sie keine staatlich anerkannten Abschlüsse anbietet. Aber sie muss der Schulaufsicht den Lehrplan offenlegen, die Qualifikation ihrer Lehrkräfte nachweisen und die gesetzlichen Bildungsziele für Berliner Schulen einhalten.

"Ich bin richtig angetan von dem Projekt", sagt Bezirksbürgermeisterin Christine Emmrich (Linke). "Es sind angenehme Gesprächspartner." Gehässige Flugblätter der rechtsextremen NPD fanden in der Nachbarschaft so gut wie kein Echo.

Türkischer Dachverband holt Imame aus Türkei

Bisher erhalten Seelsorger der deutschen Moscheegemeinden ihre Ausbildung überwiegend in Ländern des islamischen Kulturkreises. Der größte türkische Dachverband DITIB etwa holt Imame grundsätzlich aus der Türkei. Zu den Ausnahmen gehört der Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ), der Imame für seine rund 300 Gemeinden aus dem eigenen Nachwuchs selbst ausbildet. Drei Jahre dauert das Studium am Verbandsseminar in Köln, hinzu kommt ein einjähriges Praktikum. An der Universität Münster gibt es eine Ausbildung für islamische Religionslehrer an staatlichen Schulen.

"Import"-Imame sind mit den Verhältnissen zwischen Ostsee und Bodensee nicht immer gut vertraut, oft hapert es schon bei den Sprachkenntnissen. Deshalb schult die Muslimische Akademie in Deutschland seit dem Herbst in Berlin 25 muslimische Seelsorger, damit sie antworten können, wenn sie in ihren Gemeinden etwa nach dem Schulsystem oder der Krankenversicherung gefragt werden.

Deutsch als Pflichtfach an Imamschule

Das Berliner Institut Buhara, das dem Sufismus nahesteht, einer mystischen Richtung des Islam, will nun mit seiner Karlshorster Privatschule einen anderen Weg gehen. "Wir möchten einen modernen geistlichen Nachwuchs ausbilden, der sich der deutschen Sprache und Kultur verpflichtet fühlt, und so die Integration verbessern", sagt der Vereinsvorsitzende Yasar Erkan. Deutsch und Gesellschaftskunde zählten deshalb zu den Pflichtfächern neben Religion, Koran, Kunst, Arabisch und Türkisch.

Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening beobachtet das Projekt mit Interesse. "Die Schule entlastet uns aber nicht davon, über eine universitäre Ausbildung für muslimische Geistliche in Deutschland nachzudenken", sagt Piening. Nachgedacht wird schon lange, doch bisher fehlen Staat und Hochschulen Kooperationspartner in der vielfältigen Welt islamischer Organisationen.

Die sechsjährige Ausbildung an der vor allem durch Spenden finanzierten Privatschule ist nicht umsonst. Pro Jahr werden 4000 Euro Studiengebühr verlangt. Eine Garantie, später einen bezahlten Posten in einer Moscheegemeinde zu ergattern, haben die Absolventen nicht. Dass ins Leere ausgebildet wird, glaubt das Institut Buhara aber nicht. "Wir hatten vor der Schulgründung in ganz Deutschland herumgefragt, ob Interesse an hier ausgebildeten Imamen besteht", erzählt Erkan. "Die Reaktionen waren sehr ermutigend."

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