Berlin-Karow : Bahnstrecke nach Unglück wieder frei

Vier Tage nach der Beinahe-Katastrophe in Karow läuft der Verkehr dort wieder planmäßig. Die Ursache für das Auffahren eines Regionalzuges auf einen Güterzug, dessen 24 Kesselwagen hochexplosives Flüssiggas geladen hatten, ist noch unklar. Die Bahn hat inzwischen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Klaus Kurpjuweit
Zugunglück Karow Foto: Steyer
Nach dem Unglück. Die Reparaturarbeiten dauern weiter an. -Foto: Steyer

BerlinIn Karow geht wieder alles nach Plan. Auf die Frage, ob die Ermittler einen technischen Defekt an den Sicherungsanlagen ausschließen, verwies ein Bahnsprecher darauf, dass das Eisenbahn-Bundesamt die Strecke wieder freigegeben habe. Das ist eine indirekte Bestätigung, dass es sich bei dem Unfall am späten Donnerstag Abend um menschliches Versagen gehandelt hat. Der Fahrdienstleiter auf dem Stellwerk und der bei dem Zusammenstoß seines Regionalexpresses mit einem Güterzug verletzte Lokomotivführer waren bis gestern nicht vernommen worden. Der Stellwerker hat nach Bahnangaben einen Schock erlitten.

Fest steht bisher nur, dass die Weichen für den Güterzug falsch gestellt waren. Statt auf den Außenring abzubiegen, wäre er Richtung Gesundbrunnen gefahren, was der Lokführer aber bemerkt und deshalb Kontakt mit dem Stellwerker aufgenommen hatte. Unklar ist aber nach wie vor, warum das Signal für den Regionalexpress, das den Streckenabschnitt, in dem sich der Güterzug befand, sichern soll, auf Fahrt gestellt war. Es hätte nach der Vorbeifahrt des Güterzuges automatisch Rot zeigen müssen, so dass der folgende Regionalexpress dort hätte stoppen müssen.

Experten hatten nicht ausgeschlossen, dass das Signal durch einen technischen Fehler nicht auf Halt gesprungen war. Vor einem Jahr waren aus einem solchen Grund am Biesdorfer Kreuz in Friedrichsfelde zwei Regionalbahnen aufeinandergeprallt. Möglich ist nach Angaben der Bahn auch, dass das Signal vom Stellwerk aus auf Grün gestellt wurde, obwohl der Güterzug den gesicherten Bereich nicht verlassen hatte. Dies werde geprüft. Der Fahrdienstleiter im Stellwerk sei nach dem Unfall abgelöst worden, sagte der Bahnsprecher. Ob ein Alkoholtest vorgenommen wurde, konnten am Sonntag weder Bahn noch Bundespolizei sagen.

Gutachten und weitere Befragungen sollten nun die Handlungen des Fahrdienstleiters im Stellwerk sowie das Funktionieren der Stellwerks- und Signaltechnik klären, sagte Meik Gauer von der Bundespolizei. Auch die Staatsanwaltschaft hat sich inzwischen eingeschaltet.

Als Folge des Unfalls hat die Bahn inzwischen die Sicherheitsvorkehrungen an der Strecke verschärft. Bereits am Freitagmorgen wurde angeordnet, dass die Karower Fahrdienstleiter ab sofort in ihrem Stellwerk so genannte Hilfssperren anlegen müssen, sobald ein Zug im Bahnhof steht. Diese Sperren sollen als Gedächtnisstützen wirken. Sie verhindern, dass bestimmte Hebel umgelegt werden und damit andere Züge in den Bahnhof einfahren können.

Die Züge dürfen die Unfallstelle derzeit nur mit reduzierter Geschwindigkeit passieren. Der Grund sei eine bei dem Unglück demolierte Weiche, die noch nicht vollständig repariert werden konnte, sagte der Bahnsprecher. Zu Verspätungen werde es nicht kommen. Bei dem Unfall war es nur durch viel Glück zu keiner Explosion gekommen. Während die Lokomotive des Regionalexpresses stark beschädigt wurde, blieben die Kesselwagen nahezu unversehrt. Fast alle der 24 Insassen erlitten Blessuren, 13 mussten im Krankenhaus behandelt werden. (mit ddp)

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