Berlin-Köpenick : Traditionelle Ruderfähre fährt wieder auf dem Müggelsee

Lothar Heinke lässt sich rudern, aber nur 36 Meter weit – und mit Paule. Die Traditionsfähre verkehrt am Sonnabend wieder zwischen Rahnsdorf und Müggelheim - geräucherter Fisch und Shanty-Chor inklusive.

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Hier ruderte der Chef noch selbst. Wo konnte man sich als BVG-Fahrgast schon per Muskelkraft transportieren lassen? „Paule III“ war ein Berliner Unikum.
Hier ruderte der Chef noch selbst. Wo konnte man sich als BVG-Fahrgast schon per Muskelkraft transportieren lassen? „Paule III“...Kitty Kleist-Heinrich

Paule, die kleine rot-blau gestrichene Ruderfähre, die zwischen Rahnsdorf und Müggelheim verkehrte, ist wieder da! Das Traditionsbötchen mit seinem auskunftsfreudigen und muskulösen Ruderkapitän hatte nach 102 Jahren seine volkstümliche Dienstleistung einstellen müssen: Die 36 Meter zwischen der Kruggasse und dem gegenüberliegenden Ufer, für Mensch, Hund und Fahrrad mit einem BVG-Ticket und zehn Ruderschlägen zu bewältigen, waren BVG und Senat zu teuer und wohl auch zu unmodern geworden. Jedenfalls verkehren nun Motorfähren aus Stralsund, die nur streng nach Fahrplan jede Stunde einmal anlegen. Das „Fährmann, hol über!“ (und Fährmann kam flugs angerudert) schien mit dem letzten Fahrplanwechsel nur mehr Teil der nassen Köpenicker Lokalgeschichte zu sein. Da nutzte auch nicht das Argument von 18.000 Unterschriften für den gemütlichen und unkonventionellen Ruderkahn samt Chef.

Einer, der sich für den Kahn mächtig in die Riemen legte, war der Fischer vom Müggelsee, Andreas Thamm, ein traditionsbewusster, sehr beredter Rahnsdorfer, der letzte von einst 17 Fischern im südöstlichen Fischerdorf. „Wer ein Herz für etwas Besonderes hat, der musste einfach unterschreiben“, sagt er. Und da die offiziellen Stellen der Tradition die kalte Schulter zeigten, griff der Köpenicker Heimatverein nun zur Selbsthilfe.

Er kaufte der Stern- und Kreisschiffahrt das Bötchen für 1800 Euro ab, schleppte es mit Thamms Fischerkahn von Treptow nach Rahnsdorf und macht es nun diensttauglich, damit die Besucher vom Rahnsdorfer Fischer- und Fährmannfest rüber und nüber gerudert werden können – einmal Müggelheimer Wiesen und zurück. Pure Nostalgie. Geräucherten Fisch bei Thamms, Köpenicks Hauptmann und ein Shanty-Chor sind die Attraktionen beim Fest am Sonnabend. Und natürlich olle Paule, der Kahn der fröhlichen Leute. Von ihm wird noch zu hören sein.

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