Berlin-Kolumne : Schönen Gruß vom Spülfeld in Brasilien!

Tagesspiegel-Reporter Sven Goldmann ist gerade dienstlich bei der WM, steht aber in Kontakt mit seinen Jungs und seiner Frau: wegen einer Spülmaschine. Lesen Sie hier seine Kolumne: "Wie ein Vater die Stadt erleben kann"

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Ein Berliner in Brasilien. Unser WM-Reporter posiert mit Buddybär an der Copacabana.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Sven Goldmann
02.07.2014 22:21Ein Berliner in Brasilien. Unser WM-Reporter posiert mit Buddybär an der Copacabana.

Ich bin für ein paar Wochen zur Betrachtung von Fußballspielen nach Brasilien gereist. Die Frau hat gesagt: „Mach mal, die Jungs sind ja schon größer, wir schaffen das schon, flieg ruhig ein paar Tage früher, so oft kommt man ja nicht nach Südamerika.“ Ganz zart keimt in mir ein Verdacht auf: Könnte es etwa sein, dass ich gar nicht so unverzichtbar bin, wie ich mir das immer vorgestellt habe?

Es kommt, was kommen muss. Eine Woche nach meiner Abreise fällt die Geschirrspülmaschine aus und das Gejammer ist groß, vor allem beim Mittleren meiner drei Jungs, weil die Frau ihn zum Spülen und Abtrocknen abkommandiert hat. „Kannst du nicht was machen, Papa? Ich muss noch so viel für die Schule machen, da kann ich doch nicht jeden Tag stundenlang in der Küche stehen.“

Fotos von unserem WM-Reporter Sven Goldmann
Ein Berliner in Brasilien. Unser WM-Reporter posiert mit Buddybär an der Copacabana.Weitere Bilder anzeigen
1 von 16Foto: Sven Goldmann
02.07.2014 22:21Ein Berliner in Brasilien. Unser WM-Reporter posiert mit Buddybär an der Copacabana.

Na ja, geht eben doch nichts ohne mich. Denke ich mir, sage aber nichts und lasse nur generös verlauten, das würde ich natürlich aus Brasilien regeln, ist ja alles kein Problem mehr in den Zeiten des Internets. Über meinen Account bei der Stiftung Warentest ermittele ich die beste und günstigste und umweltfreundlichste Maschine, bezahle sofort per Kreditkarte und vereinbare einen Liefertermin. Beim nächsten Telefonat erwähne ich betont beiläufig: „Übrigens, die neue Geschirrspülmaschine kommt morgen, hab ich kurz vor Argentinien – Bosnien-Herzegowina erledigt, keine Ursache.“

"Was hast du nur wieder angestellt?"

Die Familie ist schwer beeindruckt, vor allem der Mittlere meiner drei Jungs. Am nächsten Morgen werde ich von einer SMS geweckt! „Melde dich bitte sofort, ist wichtig!“ Na, klar, die Familie steht staunend vor der frisch gelieferten Maschine und will sich bedanken. Ich rufe also bestens gelaunt zu Hause an, aber bevor ich auch nur ein Wort sagen kann, fragt mich die Frau: „Was hast du denn da wieder angestellt?“

Hallöchen aus Maracana. Tagesspiegel-Reporter Sven Goldmann ist gerade dienstlich auf brasilianischen Grünflächen unterwegs. Er grüßt seine Familie und freut sich schon auf den gemeinsamen Abwasch.
Hallöchen aus Maracana. Tagesspiegel-Reporter Sven Goldmann ist gerade dienstlich auf brasilianischen Grünflächen unterwegs. Er...Foto: Selfie

Im weiteren Verlauf des Monologs erfahre ich, dass der neue Spüler zwar wunderschön sei, „aber für eine Einbauküche, die wir leider nicht haben“. Hmm, sollte mir dieses Detail entgangen sein ...? Ich sage der Frau, das sei alles kein Problem in den Zeiten des Internets, und schon morgen würde ich ... „Nein, nein“, sagt die Frau, „lass mal gut sein, das regeln wir schon, geh du einfach nur zum Fußball, ich hab den Lieferanten dein Einbauding gleich wieder mitgegeben.“ Am nächsten Tag ist sie mit dem Mittleren zum Elektro-Großmarkt gefahren und hat eine neue Maschine gekauft, „sie steht schon, funktioniert perfekt und war übrigens 100 Euro billiger als die, die du bestellt hast“.

Geschirrspülmaschinen kann man natürlich überall und jederzeit in Onlineshops kaufen. Wer aber auf Nummer sicher gehen und keinen Ärger mit der Familie bekommen will, verhilft vielleicht doch besser dem Berliner Einzelhandel zur Konjunktur. Und mehr Texte von Sven Goldmann von der WM lesen Sie auf unserer WM-Sonderseite.

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