Berlin : Kranzniederlegung am Ohnesorg-Todestag

02.06.2009 18:30 UhrVon Stefan Jacobs
Ohnesorg Foto: Thilo Rückeis
Opferverbände wollen wegen der Stasi-Mitgliedschaft von Kurras die Inschrift des Denkmals ändern lassen. - Foto: Thilo Rückeis

SED-Verfolgte haben an den Studenten Benno Ohnesorg erinnert. Aufgrund der neuen Erkenntnisse über den Todesschützen Karl-Heinz Kurras wurde das Denkmal "aus Scham" verhängt.

Berlin"Benno Ohnesorg, Opfer eines Stasi- Agenten" steht auf dem Kranz, den die "Vereinigung 17. Juni 1953" am Denkmal vor der Deutschen Oper niedergelegt hat. Rund zwei Dutzend Vertreter von Kommunismus- und Stalinismus-Opferverbänden haben sich am Dienstagabend an dem Ort versammelt, an dem genau 42 Jahre zuvor der Student Benno Ohnesorg erschossen wurde. Und zwar nicht von irgendeinem West-Berliner Polizisten, wie die Versammelten angesichts der neuen Erkenntnisse betonen, sondern von einem Stasi-Mann in Polizeiuniform.

Deshalb verhüllen sie symbolisch das 1971 von Alfred Hrdlicka geschaffene Relief mit einem Baumwolltuch.

Sie fordern den Künstler auf, das Motiv der prügelnden Polizei infrage zu stellen. Zumindest müsse die Inschrift um den Hinweis ergänzt werden, dass der Täter Karl-Heinz Kurras ein Stasi-Agent gewesen sei. Und: Die Demonstranten fordern, eine Mordanklage gegen den damals freigesprochenen Beamten zu prüfen.

  • Gedenken. Anlässlich des Todestages von Benno Ohnesorg am 2. Juni verhüllen Demonstranten das Relief "Der Tod des Demonstranten" am Platz der Deutschen Oper. Ohnesorg war 1967 vom... - Foto: ddp
  • Mit der Verhüllung wollen sich die Opferverbände der SED-DDR-Verfolgten vor dem Opfer eines Agenten der DDR-Staatssicherheit verneigen. - Foto: ddp
  • Außerdem rufen die Demonstranten auch zur geschichtlichen Wahrheit auf. - Foto: dpa


Die Frage nach einem Zusammenhang zwischen Kurras’ Stasi-Tätigkeit und der Tötung des Studenten ist bislang offen. Aber fast zeitgleich mit der Kundgebung teilt die Stasi-Unterlagenbehörde mit, dass die Bundesanwaltschaft einen Teil von Kurras’ Akte sperren lassen habe: Der Generalbundesanwalt prüfe den Verdacht eines Auftragsmordes durch die Stasi. Die Suche nach der Wahrheit geht also weiter.

Am damaligen Tatort nahe der Deutschen Oper befindet sich seit 1990 eine von dem österreichischen Bildhauer Alfred Hrdlicka gestaltete Gedenktafel mit der Inschrift: "Am 2., Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg im Hof des Hauses Krumme Straße 66 während einer Demonstration gegen den tyrannischen Schah des Iran von einem Polizisten erschossen. Sein Tod war ein Signal für die beginnende studentische und außerparlamentarische Bewegung, die ihren Protest gegen Ausbeutung und Unterdrückung besonders in den Ländern der Dritten Welt mit dem Kampf um radikale Demokratisierung im eigenen Land verband." (mit ddp)

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