Berlin-Kreuzberg : Mao-Plakate, Kapuzen und viel Ideologie

Drei Demonstrationszüge waren gestern in Kreuzberg unterwegs. Wir charakterisieren die Umzüge und ihr jeweiliges Anliegen in Stichworten:

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Name: „Revolutionäre 1.-Mai-Demo“. Zur Unterscheidung von der anderen „Revolutionären 1.-Mai-Demo“, auch 13-Uhr-Demo genannt.

Traditionsfaktor: Riesig. „Die“ Kreuzberger Demo. Erstmals am 1. Mai 1988 auf der Straße, nachdem es ein Jahr zuvor „spontanen“ Aufruhr gegeben hatte. Jetzt also zum 19. Mal.

Anliegen: Die Revolution, darunter geht es nicht.

Lieblingsaccessoire der Teilnehmer:

Mao-Plakate, Lenin-Plakate und allerlei türkische Parolen.

Transparent: In diesem Jahr ziemlich lang: „International kämpfen gegen Ausbeutung, Unterdrückung und imperialistischen Krieg! Keine Befreiung ohne Revolution! Eine andere Welt ist möglich!“

Krawallfaktor: Ende der 80er, Anfang der 90er noch regelmäßig Straßenschlachten. Seit Abspaltung der 18-Uhr-Demo (siehe unten) sehr niedrig. Auch gestern blieben die nach Polizeiangaben rund 500 Teilnehmer friedlich.

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Name: „Mayday Parade“ um 16 Uhr

Traditionsfaktor: Null. Erstmals in Berlin, 2005 bereits in Hamburg und in anderen europäischen Städten. Eine Mischung aus Politmarsch und Love Parade.

Anliegen: Die Prekarisierung thematisieren. „Prekär“ sind aus Sicht der Linken alle unsicheren Arbeitsverhältnisse und Hartz-IV-Einkommen.

Lieblingsaccessoire der Teilnehmer:

Trommeln, Love-Parade-Outfit.

Transparent: „Für soziale Rechte weltweit“

Krawallfaktor: War zunächst unklar. Dann zeigte sich, dass auch die rund 3000 Teilnehmer dieser Demo nicht auf Randale aus waren.

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Name: „Revolutionäre 1.-Mai-Demo“. Zur Unterscheidung von der anderen „Revolutionären 1.-Mai-Demo“ auch 18-Uhr-Demo genannt. Oder, weil seit zwei Jahren verboten: „Spontandemo“.

Traditionsfaktor: Ziemlich groß. Spaltete sich 1996 von der 13-Uhr-Demo ab, seitdem mit dieser gründlich verfeindet.

Anliegen: Früher: Die „echte“, autonome Revolution, weil bei der 13-Uhr-Demo ja nur Maoisten, Stalinisten und Leninisten übers Pflaster latschen. Anliegen jetzt: Das Myfest stören, weil es bürgerlich und polizeigesteuert sei.

Lieblingsaccessoire der Teilnehmer:

Schwarze Kapuzenshirts, die möglichst viel vom Gesicht verbergen, auch Vermummung genannt.

Transparent: „Kein Krieg, kein Hartz, kein Demoverbot. 1. Mai – Straße frei“.

Krawallfaktor: In den ersten Jahren immens hoch. 2005 flogen nur noch sehr wenige Steine, ein Auto wurde umgestürzt. Gestern blieben die rund 600 Teilnehmer ruhig – jedenfalls während der Demo.

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