Berlin-Kreuzberg : Mutmaßliches Entführungsopfer: „Es war nichts, es ist nichts“

Am Montag kam es zu Tumulten in der Kreuzberger Bergmannstraße. Offenbar wurde eine junge Mutter entführt - von ihren eigenen Brüdern. Wenig später meldete sie sich bei der Polizei.

von
Foto: dpa/Archiv

Ein spontaner Menschenauflauf in Kreuzberg gibt der Polizei einige Rätsel auf. Mit zwei Taschen in den Händen hatten Zeugen eine junge Frau am Montagvormittag in der Bergmannstraße gesehen. Dann hatte sie einen Mann erblickt, der ihr offenbar gefolgt sei. „Als sie ihn sah, hat sie die Taschen fallen gelassen und ist geflüchtet“, sagt Werner Schneidewind, der gegen 10 Uhr vor der Postfiliale gegenüber dem Friedhof in der Bergmannstraße seine Straßenzeitung verkaufte.

Danach spielten sich Szenen ab, die die Zeugen als „gewaltsame Entführung“ beschreiben. Brutal hätten zuletzt zwei bis drei Männer – offenbar Brüder der Frau, wie sich später herausstellte – sie dazu gebracht, in ein Auto einzusteigen und seien mit ihr davongefahren. Zuvor habe die Frau den Passanten zugerufen, sie sollten die Polizei alarmieren. „Die bringen mich um“, soll sie gerufen haben. Ein Augenzeuge sagt: „Das waren Jagdszenen, dass man Angst haben musste, dass sie ihr hier direkt was antun.“

Fall bleibt unklar

Das Rätsel begann wenig später, als sich die 18-Jährige in Begleitung ihres Vaters und von zwei Brüdern auf der nahe gelegenen Polizeiwache meldete. Ein Polizeisprecher gibt ihre Aussage so wieder: „Es war nichts, es ist nichts und sie möchte auch nichts mehr davon hören.“ Ob es sich um einen vergleichsweise harmlosen Familienkonflikt handelt oder ob die junge Frau bedroht wird, ist unklar. „Ihre Aussage ist die wichtigste für uns“, sagt der Sprecher weiter. Der Vorfall ruft Erinnerungen an den Mord an der 23-jährigen Hatun Sürücü wach, der sich bald zum zehnten Mal jährt.

Die laut Zeugen arabischstämmige Familie aus Kreuzberg soll der Polizei schon wegen verschiedener Straftaten bekannt sein. Nach Polizeiangaben hat die 18-Jährige Kinder und hatte angekündigt, sie käme nicht mehr nach Hause. Auch die Zeugen gehen davon aus, sie habe mit den zurückgelassenen Taschen, in denen sich auch ihre Personalien befanden, abreisen wollen. Weil sie keine Anzeige erstattet hat, wird jetzt nur wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt.

14 Kommentare

Neuester Kommentar