Berlin : Berlin läuft sich weiter für WM warm

Wowereit umwirbt Leichtathleten – für den Fall, dass Helsinki abspringt

Barbara Junge

Berlin hat die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2005 noch nicht ganz aufgegeben. Zwar erteilte der internationale Leichtathletikverband, die IAAF, Berlin im April diesen Jahres eine Absage – den Zuschlag erhielt das finnische Helsinki. Doch ganz ohne Hintersinn ist der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Sonntag wohl nicht zur Jahresgala der IAAF nach Monaco geflogen, direkt im Anschluss an seine Rückkehr aus Los Angeles. „Wir bleiben bereit“, kommentierte Wowereits Sprecher Michael Donnermeyer am Montag aber nur die ungewöhnliche Reise des Regierenden.

Berlin war im April als klarer Favorit gescheitert, als in Nairobi die Weltmeisterschaft 2005 vergeben wurde. Und Helsinki wurde zur Überraschung der dortigen Stadtverwaltung zum Austragungsort erkoren. Doch auch jetzt, ein halbes Jahr nach der Entscheidung, sind noch nicht alle Zweifel ausgeräumt, ob Helsinki die WM tatsächlich ausrichten wird.

Ein Vertrag ist, so heißt es, offenbar immer noch nicht unterschrieben. Auch werden Zweifel geäußert, ob Helsinkis Führung die Finanzierung für den notwendigen Stadionumbau bis Ende dieses Jahres bewilligen wird. Direkt nach der Entscheidung für Helsinki hatten finnische Medien schon berichtet, dass die Vergabe für Helsinkis Stadtverwaltung ein „Schock“ gewesen sei – unter anderem, weil das Olympiastadion in Helsinki nach den Vorgaben der IAAF erst noch überdacht werden muss.

Offenbar diente die Reise des Regierenden Bürgermeisters deshalb nun der intensiven Kontaktpflege mit dem Weltverband für den Fall, dass Helsinki doch noch verzichten sollte. Die Chancen dafür werden beim Deutschen Leichtathletikverband allerdings als sehr gering eingeschätzt. Zudem die IAAF erst am vergangenen Freitag auf ihrer turnusmäßigen Sitzung die Vergabe an Helsinki noch einmal bestätigt hat.

Eine Kontaktpflege Berlins zur IAAF erscheint jedoch auch im Hinblick auf die Wettbewerbe im Jahr 2009 durchaus plausibel. Schon beim Scheitern Berlins im Frühjahr hatte Wowereit angekündigt, sich die Option für einen erneuten Anlauf offen halten zu wollen. Berlin habe eine gute Bewerbung abgegeben und biete sehr gute Voraussetzungen für eine Leichtathletik-WM. Auch IAAF–Vizepräsident Helmut Digel hatte bereits im April gesagt, er glaube, dass Berlin in Zukunft noch eine Chance haben werde.

Auf der Sitzung der IAAF am Freitag ist Berlin unterdessen von der IAAF für 2003 als vierte Station der Leichtathletik-Königsklasse Golden League mit dem Termin 10. August bestätigt worden. Für 2004 und 2005 hat die IAAF Berlin (wie schon von 1999 bis 2002) wieder als Finalstation der Serie eingeplant. 2003 soll außerdem das Internationale Stadionfest (Istaf) erstmals an einem Sonntag stattfinden. Austragungsort ist nach einer Istaf-Erklärung voraussichtlich wieder das Olympiastadion, nachdem man wegen der Umbauarbeiten in diesem Jahr in den Ludwig-Jahn-Sportpark ausgewichen war. 13 Tage später beginnen dann die Weltmeisterschaften in Paris.

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