Berlin : Berlin lehnt Zuschuss für Stadtschloss nicht mehr ab

Bund drängt auf Kostenbeteiligung des Landes am Wiederaufbau Senat lobt „konstruktiven Ton“. Architekturwettbewerb noch in diesem Jahr

Christian van Lessen

Das strikte Nein ist offenbar vom Tisch. Wieweit Berlin dem verstärkten Drängen des Bundes nachgibt, sich an den Aufbaukosten für das Stadtschloss zu beteiligen, ist zwar noch unklar. Aber es gibt Bewegung. „Wir sind im Gespräch“, sagte gestern Senatssprecher Günter Kolodziej, der Regierende Bürgermeister ist im Urlaub. Kolodziej lobte den „vergleichsweise konstruktiven Ton“, mit dem Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Wochenende eine Beteiligung Berlins an den Kosten von rund 480 Millionen Euro gefordert hatte. Die Zeit, sich über die Finanzierung zu verständigen, drängt. Noch in diesem Jahr soll der Architekturwettbewerb für den Neubau ausgelobt werden, mit dem Baustart rechnet das Bundesbauministerium 2010.

Vom Kulturstaatsminister war gestern nicht zu erfahren,welche konkreten finanziellen Erwartungen der Bund hat. Neumann hatte zuvor auf Berlins hohe Verschuldung hingewiesen, dennoch müsse das Land einen Beitrag leisten, „über den noch zu reden sein wird“. Der Bund will sich mit der von Berlin angebotenen Grundstücksfläche, dem früheren Parkplatz vor dem Palast der Republik, nicht zufrieden geben. Berlin hatte ursprünglich 80 Millionen Euro für den Schlossneubau „Humboldt-Forum“ beisteuern wollen, die Zusage nach der gescheiterten Haushaltsklage vor dem Bundesverfassungsgericht aber zurückgezogen. „Über die Finanzierung des Stadtschlosses muss noch beraten, der Anteil Berlins definiert werden“, sagte gestern auch eine Sprecherin des Bundesbauministeriums.

Bereits Ende Januar hatte Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) in einem Tagesspiegel-Interview Berlin aufgefordert, sich neben dem Grundstück mit einem „Millionenbetrag“ an den Baukosten zu beteiligen, das sei eine Voraussetzung für den Bau. Der Regierende Bürgermeister habe ihm zugesagt, mit dem Koalitionspartner noch einmal über eine finanzielle Beteiligung zu sprechen.

Der CDU-Fraktionsvize im Abgeordnetenhaus, Michael Braun, nannte es „grundsätzlich wichtig“, dass sich Berlin an einem der bedeutendsten Projekte als Bauherr beteiligt und bei der Gestaltung mitredet. Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, wies darauf hin, dass im künftigen Humboldt-Forum auch Berliner Einrichtungen wie die Zentral- und Landesbibliothek und die wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität untergebracht werden sollen. Berlin sei zwar arm, aber reich an Grundbesitz, aus dessen Beständen dem Bund attraktive Grundstücke angeboten werden könnten. Berlin werde ohnehnin davon profitieren, wenn das Humboldt-Forum „ans Netz geht“.

Der Verein ist dabei, 80 Millionen Euro für die Herstellung von drei historischen Schlossfassaden zu sammeln. Das Anfertigen von Fassadenmodellen sei „im Augenblick kein Problem“. Von Boddien schloss nicht aus, dass es schwer werden könnte, genügend Bildhauer und Steinmetze in Deutschland zu finden. Notfalls müsten Aufträge nach Polen oder Frankreich vergeben werden. Originalfassaden aus Sandstein könnten erst gefertigt werden, wenn die Konstruktion des Neubaus geklärt ist. Der Palast der Republik soll Ende 2008 verschwunden sein. Der Abriss und die Asbestbeseitigung werden statt der geplanten zwölf Millionen Euro rund 30 Millionen kosten.

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