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Berlin-Lichtenberg : "Karlshorst ist zu klein für Lollapalooza 2017"

Der Abbau hat begonnen, die Planungen laufen. Doch der Stadtrat von Lichtenberg sagt: Die Trabrennbahn ist ungeeignet. Haben Sie einen Vorschlag?

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Dann tanzt mal schön - aber nicht in Karlshorst.
Dann tanzt mal schön - aber nicht in Karlshorst.Fotos: dpa, Kitty Kleist-Heinrich

Die Show ist beendet, der Staub hat sich gelegt. Am "Lollapalooza"-Festivalgelände sind die Handwerker angerückt, die nun alles wieder auseinanderschrauben (wer's verpasst hat - unter diesem Tagesspiegel-Link finden Sie unseren Blog zum Nachlesen).

Und wo findet nun das Lollapalooza-Fest im nächsten Jahr statt? Am Sonntag war die Rede von der Trabrennbahn in Karlshorst, was allerdings schon am Abend dementiert worden ist.

Am Montagmorgen hat sich auch der Lichtenberger Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel (CDU), zu Wort gemeldet, in dessen Bezirk die Trabrennbahn liegt.

70.000 kamen pro Tag in den Treptower Park

„Bereits in der Sitzung des BVV-Ausschusses Ökologische Stadtentwicklung am 3. März 2016 habe ich ausgeführt, dass wir eine Genehmigung des Lollapalooza Festivals auf der Trabrennbahn Karlshorst nicht in Aussicht stellen können", sagt Stadtrat Nünthel. "Für die zu erwartende Anzahl an Besuchern ist das Gelände grundsätzlich zu klein, es fehlen zudem geeignete Flucht- und Rettungswege." Wie berichtet, waren an den Festivaltagen je 70.000 Menschen in den Treptower Park gekommen.

Das Lollapalooza im Treptower Park
Toller Abschluss: Thom Yorke an der Gitarre: Radiohead gaben ihr einziges Deutschlandkonzert beim Lollapalooza. Fazit: tolles Berlin-Feeling und super Bands. Alle Highlights finden Sie hier in unserer Bildergalerie - was sonst noch wichtig war, kann man in unserem Liveblog nachlesen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 99Foto: AFP
11.09.2016 14:22Toller Abschluss: Thom Yorke an der Gitarre: Radiohead gaben ihr einziges Deutschlandkonzert beim Lollapalooza. Fazit: tolles...

"Hinzu kommt eine bereits heute schon starke Belastung der Anwohnerinnen und Anwohner durch veranstaltungsbedingten Lärm, der überwiegend von Veranstaltungsstätten aus der unmittelbaren Nachbarschaft resultiert. Darüber hinaus leiten uns bei dieser Entscheidung auch naturschutzfachliche Gründe, denn auf dem Gelände und im Ortsteil finden wir eine Reihe schützenswerter Tier- und Pflanzenarten vor. Die Schutzbedürfnisse von Mensch, Flora und Fauna haben für uns Vorrang.“

Auch Wuhlheide in Köpenick kommt nicht in Frage

Rainer Hölmer (SPD), Baustadtrat von Treptow-Köpenick, bekräftigte, dass das Festival im Treptower Park eine einmalige Angelegenheit gewesen sei. Eine erneute Genehmigung sei ausgeschlossen. Auch andere Standorte in seinem Bezirk, etwa die Wuhlheide, kämen nicht in Frage. "Das Lollapalooza wird 2017 nicht in Treptow-Köpenick stattfinden."

Wie berichtet hatte das Festival im Jahr zuvor auf dem Flughafen Tempelhof stattgefunden. Nicht nur bei Twitter äußern viele Fans ihre Wünsche, wo das Fest 2017 stattfinden soll - nicht nur Tempelhof wird da genannt, sondern auch der BER ("Nutzt den mal jemand") oder auch gleich das schöne Mecklenburg. Der BER, das nur am Rande, war im Januar 2016 schon mal im Gespräch, es gab sogar eine Anfrage. 2017 ist dort allerdings etwas anderes geplant ...

Und wie fiel die musikalische Bilanz aus?

Die musikalische Bilanz des zweiten Lollapalooza Festivals ist eine gemischte. An beiden Tagen haben die starken Headliner vieles überstrahlt. Mit den Kings of Leon und New Order am Samstag sowie Radiohead zum Finale am Sonntag sind den Veranstalter echte Glücksgriffe gelungen. Vor allem Radiohead, die ihr einziges Deutschlandkonzert im Treptower Park gaben, begeisterten mit einem fantastischen fast zweieinhalbstündigen Set. Sie eröffneten es mit fünf Stücken von ihrem neuen Album „A Moon Shaped Pool“, um dann eine feine Auswahl ihres großen Repertoires zu präsentieren. Darunter sogar ihr selten gespielter frühen Hit „Creep“, der neben „Karma Police“ die letzte Zugabe bildete

Zuvor hatte auf derselben Bühne bereits der Londoner Elektronik-Songwriter James Blake mit zwei Begleitmusikern geglänzt. Seine melancholische Musik passte zwar schlecht zur Hitze dieses Sommertages, doch ihm gelang es trotzdem das Publikum in seinen Bann zu schlagen und bei den clubbigeren Teilen ein bisschen zum Tanzen zu bringen. Was er auch dem Sound zu verdanken hatte, der an beiden Tagen und auf beiden Hauptbühnen hervorragend war.
Abseits solcher Höhepunkte wimmelte es im Line-Up aber auch von Mittelprächtigem wie der britischen Elektropopband Years & Years oder dem deutschen Duo Milky Chance, das außer seinem drei Jahre alten Hit „Stolen Dance“ kaum etwas Spannendes produziert hat. Ärgerlicher war aber – wie schon im letzten Jahr – die extreme Männerdominanz auf dem Festival. So wurden etwa am Sonntag von 21 Auftritt auf den vier Bühnen lediglich zwei von Frauen bestritten (Aurora und Róisín Murphy) und bei Major Lazer gab es Tänzerinnen...

Hoffentlich bessert sich diese Schieflage beim dritten Berliner Lollapalooza-Anlauf im kommenden Jahr.

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