Berlin-Lichtenrade : Drei Musterklagen sollen den Bahnbau stoppen

Seit zehn Jahren fordern die Anwohner der neuen Bahnstrecke zum Flughafen Schönefeld einen Tunnel, seit kurzem auch der Senat. Doch die Bahn stellt sich quer. Eine Bürgerinitiative will nun klagen. Der Airport-Express könnte sich um Jahre verspäten.

Klaus Kurpjuweit

Wenn die Flughafenplaner in Schönefeld ihre Termine einhalten, hat die Bahn ein gewaltiges Problem: Sie findet auf ihren Gleisen keinen Platz für den vom Flughafen geforderten Airport-Express, der den Hauptbahnhof in etwa 20 Minuten direkt mit dem Flughafen verbinden soll. Denn der dafür notwendige Ausbau der Dresdner Bahn durch Lichtenrade wird sich weiter verzögern. Die Bürgerinitiative Lichtenrade Dresdner Bahn hat jetzt drei Musterklagen gegen den vorgesehenen Bahnbau angekündigt – falls die Bahn nicht doch noch einlenkt und einen Tunnel durch Lichtenrade baut.

Seit zehn Jahren wehren sich die Mitglieder gegen die Pläne der Bahn, die Gleise für die Fern- und Regionalbahnen ebenerdig zu bauen. Die Trasse würde den Ortskern teilen, Lärm und Erschütterungen durch die Züge seien den Anwohnern nicht zuzumuten, argumentieren die Tunnelbefürworter. Die Bahn will aus Kostengründen auf die Röhre verzichten.

Der Streit dauert nun schon zehn Jahre. Zum Gründungsjubiläum der Bürgerinitiative waren am Dienstagabend fast 300 Unterstützer ins Gemeinschaftshaus Lichtenrade gekommen. In einem Grußwort ließ der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklären, dass auch der Senat den Tunnelbau fordere. Auch die CDU und die FDP unterstützen die Bürgerinitiative. Wowereit lobte ausdrücklich deren Sachkunde.

Doch die von der Bahn der Genehmigungsbehörde vorgelegten Pläne sehen weiter vor, die Gleise ebenerdig zu legen. Sollte das Eisenbahn-Bundesamt dies genehmigen, werde man klagen, kündigte Anwalt Franz Cromme an. Drei Musterklagen seien vorbereitet – zum Lärm- und Erschütterungsschutz sowie für einen Gewerbebetrieb. Zudem werde die Initiative beantragen, nach einem Genehmigungsbeschluss für die ebenerdige Variante die Arbeiten bis zur endgültigen Gerichtsentscheidung zu stoppen.

Juristen rechnen damit, dass ein Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mindestens ein Jahr dauern würde. Sollten die Richter dann auch noch der Initiative Recht geben, müsste die Bahn für den Tunnelbau neu planen, was mehrere Jahre dauern kann. Da zudem als Bauzeit vier bis fünf Jahre angesetzt sind, käme der Airport-Express erst Jahre nach Aufnahme des Betriebs auf dem neuen BBI-Flughafen in Fahrt.

BBI soll Anfang November 2011 eröffnet werden. Intern rechnet, wie berichtet, auch die Bahn bereits damit, dass die Dresdner Bahn nicht vor 2015 fertig sein wird, wenngleich der Konzern dies noch dementiert. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte dabei mehrfach versprochen, die Dresdner Bahn werde fertig sein, wenn auch der Flughafen fertig sei.

Derzeit sucht, wie berichtet, eine extra geschaffene Arbeitsgruppe nach Zwischenlösungen, um BBI vom ersten Tag an auch schnell auf der Schiene erreichen zu können. Dabei gibt es weitere Einschränkungen durch den Umbau am Ostkreuz. Mehrere Jahre ist dort die direkte S-Bahn-Verbindung aus der Innenstadt zum Flughafen unterbrochen, und auf den Regionalgleisen reichen die Signale nicht aus, um dort mehr Züge fahren zu lassen.

Eine „Gnadenfrist“ könnte es allerdings noch geben. Branchenkenner rechnen damit, dass auch der Flughafen frühestens erst 2012/13 fertig sein wird. Damit wären die Planer dort aber immer noch schneller als die Kollegen von der Bahn.

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