Berlin : Berlin macht immer depressiver

Technikerkrankenkasse legt Gesundheitsbericht vor

Ingo Bach

Berlin macht immer mehr Menschen depressiv. Das ist das Ergebnis einer gestern veröffentlichten Untersuchung der Technikerkrankenkasse (TK). Danach melden sich immer mehr Hauptstädter wegen psychischer Probleme krank. „Im letzten Jahr verursachten Depressionen und deren Folgen rund 1,3 Millionen Fehltage am Arbeitsplatz“, sagt Detlef Natusch, Sprecher der Berliner TK. Damit läge die Diagnose hinter Erkrankungen des Bewegungsapparats und der Atemwege schon auf Platz 3 aller Gründe für die Arbeitsunfähigkeit.

Der Trend sei Besorgnis erregend, sagt Natusch. Die Fehlzeiten wegen Depressionen liegen in Berlin mit knapp sechs Prozent um mehr als die Hälfte über dem Bundesschnitt. Noch depressiver sind in Deutschland nur die Hamburger. Niedergeschlagenheit ist offenbar ein Großstadtproblem. Warum? Eine schwer zu beantwortende Frage. Arbeitslose seien überdurchschnittlich betroffen, sagt Natusch. Auf der anderen Seite ist die Krankschreibungsrate wegen Depressionen in den neuen Bundesländern geringer, als in den alten Ländern – obwohl die Arbeitslosigkeit im Osten wesentlich höher ist.

Ein weiteres Problem sei es, dass viele kleine und mittlere Unternehmen nicht die finanziellen Mittel hätten, durch eigene betriebliche Gesundheitsvorsorge den typischen „Krankmachern“ wie Stress oder Mobbing von Mitarbeitern entgegenzuwirken, so die TK. Doch nicht nur die besonderen psychischen Belastungen in der Stadt machen depressiv, sondern auch das besonders dichte Netz an psychologischen Hilfsangeboten. „Ein Angebot schafft auch Nachfrage“, sagt der Sprecher der Deutschen Angestelltenkrankenkasse (DAK) in Berlin, Rüdiger Scharf.

Doch als Grund zum Blaumachen eigne sich die Diagnose Depression nicht, sagt TK-Sprecher Natusch. „Die meisten Patienten bekommen ja auch Antidepressiva, da muss also eine Krankheit dahinter stecken.“ Und nicht alle, die medikamentös behandelt werden, lassen sich auch krankschreiben. Auf einen AU-Geschriebenen kämen drei nicht arbeitsunfähige, die Antidepressiva erhielten, sagt Natusch. Aber diejenigen, die deswegen fehlen, tun das lange: Krankheitszeiten von mehr als 50 Tagen seien nicht selten. Das hängt auch vom Alter ab. Natusch: „Während Personen bis zum 25. Lebensjahr durchschnittlich unter 30 Tage krankgeschrieben werden, sind es im Alter zwischen 55 und 60 Jahren mehr als 80 Tage.“

Die Technikerkrankenkasse hat in Berlin rund 360000 Versicherte.

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