Berlin : Berlin-Malmö: Auf der "Königslinie" im Privatzug nach Schweden

Klaus Kurpjuweit

Die Bahn geht, und Georg kommt. Dank der Initiative eines privaten Unternehmens wird es die traditionelle Bahnverbindung Berlin-Malmö weitergeben, deren Nachtzug von der Bahn AG Ende September, wie berichtet, eingestellt wird. Rolf Georg von der Georg Verkehrsorganisation in Frankfurt (Main) hat bei der Bahn jetzt die Trassen für seinen Zug bestellt. Damit kann zum ersten Mal ein privates Unternehmen im Fernverkehr der Bahn aktiv werden.

Während sich die Bahn aus dem Nachtverkehr nach Schweden aus wirtschaftlichen Gründen zurückzieht, ist Georg überzeugt, mit einem anderen Vertriebssystem seine Züge zwischen Berlin und Malmö füllen zu können. Fahrkarten soll es nicht nur an den Schaltern der Bahn AG geben, sondern auch in Reisebüros, die Bahn- und Flugtickets verkaufen. Derzeit ist die Verbindung aber nur bis zum Rückzug der Bahn im Reservierungssystem enthalten. Durch das Einbeziehen der Reisebüros mit Flugscheinverkauf erweitert Georg die Zahl der Verkaufsstellen erheblich. Am Preis soll sich nicht viel ändern.

Allerdings sind noch nicht alle Fragen vor dem geplanten Start am 25. September geklärt. So weiß Georg noch nicht, welche Wagen er einsetzen kann. Der Zug wird aus Schlaf- und Liegewagen bestehen. Georg wollte mit Waggons der schwedischen Staatseisenbahnen fahren, die jeweils eine Dusche und ein WC im Zwei-Bett-Abteil haben. Dies sei derzeit aber noch nicht möglich, weil die Wagen erst noch an die deutsche Strecke angepasst werden müssten, wie Georg sagte. Bereits zum Neustart der einstigen "Königslinie" werde er aber klimatisierte Wagen anbieten, verspricht er.

Die schwedische Staatseisenbahn, die die Route über die Ostsee nach Mitteleuropa behalten wollte, obwohl es dank neuer Brücken inzwischen eine fährenfreie Verbindung über Dänemark nach Deutschland gibt, habe ihn um Hilfe gebeten, begründet Georg sein Engagement im Linienverkehr. Er habe den Schweden bereits einmal aus der Patsche geholfen. Allerdings gelten seine Züge als Sonderfahrten.

Georg will zumindest in der Hauptsaison jede Nacht einmal in jede Richtung fahren. Einige Fahrten werden jedoch ausfallen, weil an der Strecke nach Stralsund/Saßnitz nachts gebaut wird. Der Vorschlag der Bahn, dann auf einen Ersatzverkehr mit Bussen auszuweichen, war für Georg ein schlechter Witz. "Sollen die Fahrgäste im Pyjama und womöglich mit der Bettflasche unter dem Arm den Zug entlang zum Bus laufen?" Eine irrwitzige Vorstellung, nicht nur für Georg.

Ganz ist die Bahn AG aber doch nicht aus dem Geschäft. Georgs Nachtzüge werden von Lokomotiven der Bahn AG gezogen, die sich die private Firma mietet. Auch hier spürt die Bahn die Konkurrenz. Lokomotiven zum Mieten bieten auch andere Unternehmen an, unter anderem die Lok-Hersteller Adtranz und Siemens. So kann die Bahn hier nicht beliebig an der Preisschraube drehen, was nicht nur Georg entgegenkommt.

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