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Berlin-Marathon 2016 : An der Marathon-Ziellinie: Schweiß, aber glücklich!

Zehntausende Sportler waren an diesem Wochenende unterwegs, der Sonntag gehörte den Läufern. Und wie war's? Unser Blog.

von , und Felix Hackenbruch
Ganz schön weit bis zum nächsten Bier...
Ganz schön weit bis zum nächsten Bier...Foto: Gregor Fischer/dpa

Die letzten schleppen sich ins Ziel, da sind die ersten schon stundenlang durch. Kenenisa Bekele gewinnt den Berlin-Marathon in 2:03:03.

Zehntausende Sportler waren an diesem Wochenende unterwegs. Und wer ist der Älteste? Welche Promis laufen mit? Und wer sind eigentlich die vielen fleißigen Helfer, die Wasser reichen - wir stellen unter diesem Link eine Gruppe vor, die ehrenamtlich 9000 Wasserbecher befüllt. Und wer auf das Auto angewiesen ist, kann unter diesem Tagesspiegel-Link mal nachschauen - da haben wir viele Tipps für Sie.

DER ÄLTESTE Wer ist eigentlich der Älteste beim Marathon? Kurz mal in die Akten geschaut – da ist er: Daniel Crawford, Jahrgang 1930, Startnummer 12060. Insgesamt starten 14 Läufer in der Altersklasse über 80, alles Männer. Vier von ihnen sind Berliner, die restlichen reisen aus der ganzen Republik an, einer aus Polen, einer aus der Schweiz.

DER WEITESTE Apropos Anreise. Insgesamt sind Skater, Handbiker, Läufer aus 122 Nationen am Start. Allein 1600 Läufer aus den USA sind diese Jahr dabei, 315 aus Australien, 308 aus Japan, 191 aus Argentinien, 58 aus Neuseeland, sechs aus Syrien, ein Läufer aus Nordkorea … und aus Deutschland? 20 600 Läufer, davon knapp 6000 aus Berlin. Es lohnt sich also, einfach mal auf Gut Glück anzufeuern. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bekanntes Gesicht aus der Nachbarschaft auftaucht, ist ziemlich groß. Na dann: „Lauf, Jule!“

FRAUEN, MÄNNER, PROMIS Apropos Jule: Beim Marathon sind in diesem Jahr von den 46.000 Läufern 12.000 Frauen. Die Zahl der Promis ist traditionell auch nicht so klein, allerdings freuen die sich auf den kommenden 42 000 Metern mehr über frische Wasser als über Fotografen, deshalb machen sie vorher nicht so ein Tamtam. Nur so viel: Sänger Max Herre, 43 („Immer wenn es regnet“), wird dabei sein, er läuft für den guten Zweck. Herre läuft für Viva con Agua, einer Hilfsorganisation, die sich für den gerechten Zugang zum Trinkwasser einsetzt. …

UND NOCH MEHR MUSIKER Max Herre schwitzt, die Kollegen übernehmen: Entlang der Strecke bauen wieder etliche Bands ihre Trommeln und Fanfaren auf – 80 Bands sind am Start beim „Musikmarathon“. Von Crocodile Princess am Rathaus Kreuzberg (Jazz) bis zur großen Bühne von „Radio Eins“an der Potsdamer Straße (Kilometer 21, 9 bis 12 Uhr).

UND JETZT: ZAHLEN, BITTE! Entsprechende Kost ist natürlich auch in diesem Jahr reichlich vorhanden (1 Mio. Trinkbecher, 240.000 Liter Wasser, 120.000 Bananen, 80.000 Kekse, 78.000 Äpfel, 10.000 Joghurt-Drinks und 20.000 Tüten Trockenfleisch … ja, wirklich: 20000 Tüten Beef Jerky werden an die Zuschauer verteilt, proteinreiches Trockenfleisch in den Geschmacksrichtungen Original, Teriyaki, Peppered und Sweet & Hot. Die Teilnehmer kriegen natürlich auch ein Tütchen – ob’s hilft? Notfalls warten die Helfer an den Massagebänken. Mit 250 Liter Öl im Gepäck.

Der Berlin-Marathon 2016 in Bildern - sind Sie dabei?
Volle Straßen - während die schnellsten schon fast im Ziel sind, startet das Hauptfeld auf der Straße des 17. Juni.Weitere Bilder anzeigen
1 von 25Foto: Gregor Fischer/dpa
25.09.2016 11:29Volle Straßen - während die schnellsten schon fast im Ziel sind, startet das Hauptfeld auf der Straße des 17. Juni.

DIE ERSTEN Das Wochenende begann aber schon am Sonnabend. Der Nebel hatte sich gerade aufgelöst am herrlich-frischen Samstagmorgen, da blinzelte auch prompt die Sonne hervor – und die ersten Marathon-Läufer machten sich gleich mal am Morgen auf den Weg. Tausende kamen zum traditionellen „Frühstückslauf“ ans Schloss Charlottenburg. Ganz entspannt ging es den Berg hoch gen Olympiastadion. Das Motto: „Janz langsam!“ Darauf erst mal ’ne Banane.

Und los! Zehntausende machten sich am Morgen auf den Weg. Start war im Tiergarten (mit Luftballons).
Und los! Zehntausende machten sich am Morgen auf den Weg. Start war im Tiergarten (mit Luftballons).Foto: REUTERS

DIE JÜNGSTEN Was die Alten können, können die Kinder schon lange – die waren nämlich bereits am Samstagvormittag am Start: Kurz vor 11 Uhr traten die Kleinsten an zum „Bambini-Lauf“, diesmal durch den Gleisdreieckpark. Am Nachmittag durften dann rund 10000 Schüler auf die Strecke der Großen, um ihren Mini-Marathon zu laufen: 4,2195 Kilometer mit Zieleinlauf durchs Brandenburger Tor auf der Straße des 17. Juni. Stolze Gesichter, überall.

Grafik: Tsp

Rund 10.000 Schülerinnen und Schüler maßen sich auf den letzten 4,2 Kilometern der Originalstrecke von Philharmonie über den Gendarmenmarkt und durchs Brandenburger Tor. Wie die Großen oft in knalligem Laufdress, dehnten sie sich kurz vor Startschuss, drängten noch mal rasch ins Dixi-Klo. Unter den Augen ihrer Eltern sprinteten zuerst die Oberschüler. Bereits zwölf Minuten später lief Philipp Wiewald (16) von der Sportschule Potsdam unter großem Jubel durchs Brandenburger Tor. Nur eine Minute später folgte seine Trainingspartnerin Julie Jungbluth (18). "Ich hatte schon Angst, dass ich von hinten noch geschnappt werde, aber dann war es einfach nur geil", beschrieb Wiewald die letzten Meter.

Jungbluth, die eigentlich vom Triathlon kommt, freute sich ebenfalls: "Ein perfekter Saisonabschluss." Fast zeitgleich mit dem Zieleinlauf der Schüler fiel der Startschuss der Inlineskater. Auch wenn sie bereits zum 43. Mal teilnehmen, bekommen sie nicht ansatzweise so viel Aufmerksamkeit wie die Läufer. So war es zwar im Start-/Zielbereich gut gefüllt und unterlegt mit lauter Popmusik auch stimmungsvoll, aber an weiten Teilen der Strecke relativ ruhig. Kurz vor der Hälfte der Strecke in Schöneberg tummelten sich nur wenige Zuschauer, mitunter recht unkundig. "Is dat Sommerbiathlon?", wollte eine ältere Frau mit Einkaufswagen wissen. Es gab aber auch Fachwissen am Streckenrand. "Das wird nichts mit dem Weltrekord", sagte ein Passant, als die ersten Inlineskater erscheinen, "Die taktieren zu viel". In 59:59 siegte der Belgier Bart Swings. Bei den Frauen gewann die Holländerin Manon Kamminga in 1:08:38 und freute sich im Ziel: "Ich bin einfach im Rhythmus gefahren und war mir erst im Ziel sicher, dass es reicht."

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