Berlin : Berlin-Marathon: Dem Besenwagen davonlaufen

Lars von Törne

Zu den Letzten zu gehören, macht Heinz Jänicke nichts aus. "Ich laufe doch nicht mit, um als erster durchs Ziel zu laufen - sondern weil es mir Spaß macht", sagt der 74-jährige Rentner. Und Spaß macht es ihm, wenn er "ruhig und gediegen" laufen kann. "Ich fühle mich als Sieger, wenn ich mich realistisch einschätze und bis zum Schluss durchhalte." Allerletzter will der Spandauer heute allerdings nicht sein: "Bis jetzt bin ich dem Besenwagen immer noch davongelaufen", sagt er lachend. Im vergangenen Jahr kam er als 22 153. Läufer durchs Ziel - nur wenige kamen noch später.

Zum Thema Online Spezial: 28. Berlin-Marathon Wenn Heinz Jänicke am Sonntagmorgen wieder auf der Straße des 17. Juni am Start steht, wird es das 18. Mal sein, dass er beim Berlin-Marathon mitläuft. 45 Marathonläufe hat er insgesamt schon absolviert. Da kann es ihn auch nicht mehr aus der Ruhe bringen, dass in den rund fünfeinhalb Stunden, die er für die gut 42 Kilometer braucht, die meisten anderen Läufer früher oder später an ihm vorüberziehen. "Ich kenne mein Tempo, und das halte ich - egal, wer mich überholt." Außerdem hat er die Erfahrung gemacht, dass manche Sprinter sich schlicht überschätzen: "Die sieht man dann nach 25 Kilometern wieder", sagt er mit einer Spur Schadenfreude in der Stimme.

Zum Laufen kam Jänicke vor 23 Jahren. Damals schickte sein Arbeitgeber Siemens den Fertigungsingenieur zu einem Kreislauftraining. Am Fitnessprogramm gefiel ihm vor allem das Laufen. Nach und nach arbeitete er sich alleine auf zehn Kilometer hoch. Beim ASC Spandau fand er Mitläufer, die die Sache ähnlich entspannt angingen wie er. Bis heute ist für Jänicke Laufen das perfekte Mittel gegen Stress. "Das macht den Kopf frei und ist ein Ventil für alles, was sich tagsüber aufgestaut hat." Zwei bis drei Mal pro Woche steigt er noch in seine Laufschuhe. "Aber so langsam muss ich mal ans Aufhören denken", sagt er. Allzu lange mache der Körper das nicht mehr mit. Heinz Jänicke weiß, wann es genug ist: "Ich will nicht eines Tages als Clown dastehen, der durchs Ziel torkelt."

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