Berlin-Marathon : Die Brücken bebten im Laufschritt

Was für ein Wetter, was für eine Stimmung: Zum 36. Mal wurde der Marathon in Berlin ausgetragen – und mächtig gefeiert. Dass Haile Gebrselassie diesmal keinen Weltrekord lief, störte an diesem Bilderbuchtag nicht.

Eva Kalwa
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Klaus Wowereit (rechts) erwartet Haile Gebrselassie im Ziel. -Foto: dpa

Das Wetter super, die Stimmung fantastisch: Besser hätten es die 41 000 Läufer und hunderttausende Zuschauer an der Strecke des 36. Berlin-Marathons am Sonntag kaum treffen können. Und auch wenn der Bilderbuchtag nicht von einem neuen Weltrekord des Siegers Haile Gebrselassie gekrönt wurde, war der 42,195 Kilometer lange Lauf durch die Stadt für Teilnehmer und Zuschauer ein tolles Sporterlebnis.

Wer auf einer der Spreebrücken wie zum Beispiel auf der Konrad-Adenauer-Straße bei Kilometer sieben stand, konnte sogar den Eindruck gewinnen, die Stadt bebe. So sehr schwankte die Konstruktion, als hunderte von Läufern gut zwanzig Minuten nach dem Start am Kleinen Stern gegen halb zehn auf die Brücke stürmten. Vor ihnen die Spitzengruppe mit Gebrselassie, hinter ihnen abertausende von Läufern, die sich vorgenommen hatten, in einer Zeit von drei, vier oder fünf Stunden im Ziel auf der Straße des 17. Juni anzukommen.

Damit diese persönlichen Ziele leichter eingehalten werden konnten, gab es so genannte „Hasen”, die ein bestimmtes Tempo vorgaben. Ein beschrifteter Luftballon zeigte die Zeit an, in der diese Läufer in etwa hinter dem Brandenburger Tor ankommen würden. Auch der Äthiopier Gebrselassie hatte natürlich mehrere Tempo-Macher dabei. Mit „Haile, Haile!“-Chören und auf der gesamten Strecke von über 70 Musikgruppen angefeuert, überlief der 36-Jährige die 30-Kilometer-Marke auf dem Hohenzollerndamm in Schmargendorf in der inoffiziellen Weltrekordzeit von 1:27:49 Stunden. Wenige Minuten später war er dann aber allein, sein letzter Begleiter war ausgestiegen und Gebrselassie musste sich bei Temperaturen um 24 Grad allein dem Ziel entgegen kämpfen. Daher vielleicht gewann er am Ende zwar als erster Läufer überhaupt zum vierten Mal in Folge den Berlin-Marathon, konnte seinen Weltrekord nicht unterbieten. Im Ziel bedankte sich Gebrselassie beim Berliner Publikum für die „wundervolle Atmosphäre“ und dreht dann mit WM-Bär Berlino eine Siegerrunde.

Rund 18 Minuten nach dem Äthiopier kam Landsfrau Atsede Besuye an, die erste von fast 9000 Frauen. Wie auch die rund 32 000 männlichen Läufer sowie die Handbiker und Rollstuhlfahrer wurden sie von tausenden Zuschauern am Brandenburger Tor und auf den Tribünen am Ziel beim Sowjetischen Ehrenmal mit lautem Klatschen und Jubel empfangen. Da die Tribünen, Absperrungen und Zelte nicht alle bis gestern Abend abgebaut werden konnten, bleibt die Straße des 17. Juni für den Autoverkehr heute noch gesperrt. Zahlreiche „Finisher“ des Marathons dürfte das wenig stören: Sie feierten nach dem Lauf im „Goya“ am Nollendorfplatz und freuen sich nach der Anstrengung auf langes Ausschlafen und einen freien Tag.

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