Berlin : Berlin-Marathon: Kultig ohrenbetäubend: Wilder Eber in Samba-Laune

C. v. L.

Manfred und Anita Müller stehen direkt an der Platzecke Wilder Eber und starren in die Pacelliallee hinein, da wo alle Läufer herkommen. Sie sind für den Marathon aus Tübingen angereist, waren morgens schon am Start dabei, fuhren kreuz und quer mit der U-Bahn und warten nun darauf, dass die 26-jährige Tochter Melanie vorbeirauscht. "Die Zeit ist egal, das Durchkommen ist wichtig".

Zum Thema Online Spezial: 28. Berlin-Marathon Sie haben eine Kamera dabei und hoffen, dass Melanie sie sieht und winkt und vielleicht auch kurz anhält für ein Foto. Sie hastet nach einer guten Stunde vorbei, die Eltern rufen aufgeregt, aber im Lärm der Rasseln, Trillerpfeifen und Sambatrommeln sind sie für die Tochter nicht zu hören.

Es ist wieder ohrenbetäubend auf dem Platz am Wilden Eber, Kilometerstand 35. Ein Kultort nicht nur für Berliner Fans. Die Schülerin Cornelia Gruber aus Potsdam sagt, dass es die Stimmung ist, die Anlage des Platzes, der so viele unterschiedliche Perspektiven auf den Lauf ermöglicht. Die Stimmung machen Cheerleader und die Gruppe Sapucaiu no Samba, die sich nach Rio anhört, aber aus Charlottenburg kommt. Als der große Läuferstrom gegen halb zwölf vorbeifließt, trommeln sie schon ununterbrochen 90 Minuten, viele Trommler halten das ohne Ohrstöpsel gar nicht aus. Die Stimmung machen vor allem die Zuschauer, die sich Hände wund klatschen und Plakate hochhalten: "Gib Gummi, lass die Sau raus". CDU und PDS verteilen Luftballons.

Viele Läufer zelebrieren ihre Ankunft am Platz. Als sei er das Ziel, werfen sie die Arme hoch. Manche werfen sich auch auf eine der rund 50 Liegen, auf denen etwa Sebastian Merker verkrampfte Glieder massiert. "Das ist hier wie ein Boxenstopp".

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