Berlin : Berlin-Marathon: Mount Everest für 37 800 Sportler

Helen Ruwald

Heinrich Blümchen aus Herford ist 1918 geboren. Ein gesetzter Herr also, der sonntags einen gemütlichen Spaziergang machen könnte. Sich als Tourist in Ruhe das Brandenburger Tor und die Nationalgalerie anschauen könnte. Aber das ist Herrn Blümchen viel zu langweilig. Er geht nicht, um sich die Stadt anzusehen, er rennt. Exakt 42,195 Kilometer beim Marathon durch Berlin. Etwa 37 800 Läufer, Skater, Rollstuhlfahrer und Power-Walker sind am Start. Außerdem beteiligen sich 6326 Schüler am Mini-Marathon. Es wird ein fröhliches Spektakel werden mit mehreren hunderttausend Zuschauern und 65 Musikgruppen, die alles spielen, von Klassik bis Samba.

Nach den Terroranschlägen in den USA steht der Marathon unter dem Motto "Run for Peace", die Teilnehmer tragen Trauerflor. Den Startschuss gibt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit um 9 Uhr am Charlottenburger Tor. Um diese Zeit überqueren an der Tauentzienstraße/Ecke Passauer Straße die ersten Läufer des Mini Marathons das Ziel, gegen 9.25 Uhr sausen die besten Skater heran. Wer sich rund zwei Stunden später einen Platz an der Absperrung erkämpft, erlebt möglicherweise ein packendes Finish zwischen Olympiasiegerin Naoko Takahashi aus Japan und Weltrekordlerin Tegla Loroupe aus Kenia. Doch es sind auch viele Anfänger am Start, die fünf, sechs oder sieben Stunden unterwegs sind. Sie kämpfen um jeden Meter, geben nur deshalb nicht auf, weil Wildfremde "Weiter, weiter", schreien. "Einmal im Leben wollen viele diese Distanz schaffen", sagt Renndirektor Milde, "Marathon, das ist so etwas wie ein erreichbarer Mount Everest." Dass möglichst viele ihn am Sonntag bezwingen, dabei sollen die Zuschauer helfen. Und die Musik: Berühmt für die Stimmung ist der Platz am Wilden Eber mit Samba-Rythmen bei Kilometer 35,5. Grafik: Streckenplan des 28. Berliner Marathons Tipps hat der Veranstalter für Zuschauer, die den Marathon an mehreren Stellen erleben wollen: Mit der U 9 zum Hansaplatz, von dort zu Fuß zur Siegessäule, später mit der U 9 zum Walther-Schreiber-Platz oder Rathaus Steglitz (Kilometerpunkt 29/30), anschließend zum neuen Ziel auf der Tauentzienstraße. Auch die U 7 ist zu empfehlen. Am Hermannplatz kommen die Läufer zwei Mal vorbei (nach 18 und 20 km), weiter geht es zum Kleistpark (25 km) und zur Konstanzer Straße (40 km).

Performance-Künstler Peter Kopatzki ist mit dem Laufen allein nicht ausgelastet. An vier Punkten auf der Strecke und im Ziel gibt er sich insgesamt 90 Sekunden, um ein zwei Meter großes Bild (Motiv: laufende Beine) zu malen, das später versteigert wird. Freunde schleppen die Leinwand von Punkt zu Punkt. Gegen 9 Uhr 20 will Kopatzki Unter den Linden / Oberwallstraße die ersten Pinselstriche machen, genau zehn Sekunden lang. Herthas Trainer Jürgen Röber, Joey Kelly von der Kelly Family, Judy Weiss (sang die weibliche Hauptrolle im Musical "Der Glöckner von Notre Dame") Guido Westerwelle und andere absolvieren den Marathon als Staffellauf für Unicef. Sie setzen sich für die Unicef-Impfkampagne gegen Kinderlähmung ein. Wer mindestens 20 Mark - soviel kostet eine Impfung für ein Kind - spendet (Konto 56 56 56 6 bei der Commerzbank Berlin, BLZ 100 400 00, Verwendungszweck Berlin-Marathon), kann zum Beispiel Backstage-Karten für die Kelly Familiy und ein Hertha-Trikot mit Autogrammen gewinnen.

Einstimmen können sich Läufer wie Zuschauer bei der Sport- und Gesundheitsmesse in der Messehalle 9 am Donnerstag und Freitag von 12 bis 19 Uhr und am Sonnabend von 10 bis 19 Uhr.

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