Berlin-Marathon : Muskeln, Musik, Mediziner

Damit der Marathon dieses Wochenende rund läuft, sind tausende Helfer im Einsatz. Auch am Rand kann man viel erleben.

Annette Kögel
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Mitunter ertappt man sich beim Gedanken: Ist halt wieder Marathon, wie jedes Jahr. Und dann geht man doch wieder hin und wird sofort in den Bann gezogen. Die glücklichen Gesichter! Die liebevollen Anfeuerungsplakate für die Liebste! Das dankbare Winken der Läufer ins Publikum! Der Berlin-Marathon beflügelt: die Sechzigtausend, die mitmachen, und jene, die das Geschehen am Rand erleben. Machen wir uns also warm für die beiden großen Tage.

Zahlenspiele, Muskelspiele.

Für die 42, 195 Kilometer durch Berlin am Sonntag sind 40 215 Läufer aus 115 Nationen gemeldet, 21 Prozent davon Frauen. Mit solch einer Resonanz hat beim ersten Mal am 13. Oktober 1974 niemand gerechnet. Damals liefen 286 Jogger aus vier Ländern mit. Am Sonnabend rasen allein 7624 Rollschuhfahrer beim weltgrößten Skater-Marathon über den Asphalt; den Startschuss will Eisläuferin Anni Friesinger abgeben. Aus logistischen Gründen starten die knapp 11 000 Schüler jetzt erstmals bereits Sonnabendnachmittag zum Mini-Marathon über 4,2195 Kilometer – und erstmals überträgt der RBB auch hier live.

Da ist Musik drin.

Die Profiläufer kämpfen um Hundertstelsekunden, andere ums Ankommen. Gleich 80 Bands, Musiker und Trommelgruppen an der Strecke helfen über den toten Punkt hinweg. Beim „Jazzquartett“ an Kilometer neun an der Torstraße federn alle noch locker vorbei. Unter den Brücken am Innsbrucker Platz, da ist gut die Hälfte geschafft, rumst es kräftig, Percussionisten von „Groove“ trommeln auf Fässern und Bässen. Kurz vorm Ziel geben Animateure und die „Kobras“-Cheerleader alles.

Es kommt was ins Rollen.

Sie starten mit Hightech-Sportgeräten: 237 Rennrollstuhlfahrer und Handbiker. Auch paralympische Sportler sind am Start, wie der Brite Richard Whitehead, der mit zwei Carbon-Prothesen läuft.

Sicher ist sicher.

Noch so gutes Training, noch so moderne Kleidung schützen nicht vor Verletzungen. Beim Halbmarathon Anfang April starb ein 38-jähriger Läufer einen Sekundenherztod. Am Sonnabend sind unter der Federführung des Roten Kreuzes 290 Sanitäts- und Rettungskräfte sowie 25 Ärzte im Einsatz, Sonntag sind es 530 beziehungsweise 47. Außerdem gibt es Ärzte auf Fahrrädern und Feuerwehrleute mit tragbaren Defibrillatoren. Die Mehrzahl der Mediziner arbeitet übrigens – wie auch die Helfer vom Veranstalter „SCC-Running“ – ehrenamtlich. Übrigens: Allein 250 Liter Massageöl sind geordert.

Stoßgebete zum Himmel schicken.

Beim Marathon gibt es auch Besinnliches und Informatives. Zum Beispiel die Sportmesse „Berlin Vital“ in den Hallen 21 bis 23 unterm Funkturm – samt Lauf für Bambinis und der Pasta-Lounge. Am Sonnabend beginnt um 20.30 Uhr ein ökumenisches Abendgebet in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Wenn am Sonntagabend die Beine noch tragen, kann man zur Abschlussparty um 20 Uhr im Postbahnhof am Ostbahnhof pilgern.

Das sind Früchtchen.

Der 34. Dauerlauf heißt offiziell nach dem Titelsponsor „real.- Berlin Marathon“. Das Unternehmen stellt auch zigtausende Äpfel, Bananen und Joghurt für den Frühstückslauf am Sonnabend zur Verfügung – und liefert über 130 000 Bananen und 35 000 Äpfel an die 14 Versorgungsposten.

Auf Computer-Kurs.

Ob der Chip für den Schuh oder Video-Download vom Zieleinlauf: Die Technik macht vieles möglich. Tagesspiegel-Leser können Fotos und Videos über www.tagesspiegel.de/medien/leser-bilder an die Zeitung senden. Eine Auswahl wird im Internet veröffentlicht. Muss nur noch das Wetter mitmachen. Nun ja, 14 Grad und Schauer sind für heute prognostiziert. Morgen wird es trocken und drei Grad wärmer.

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