Berlin : Berlin-Marathon: Selbst am Engpass Brandenburger Tor lief alles reibungslos

K. Füchsel,A. Bemmer

Sie liefen für den Frieden, zuweilen in voller Montur: Als Freiheitsstatue im goldenen Gewand oder als personifizierte USA-Fahne mit Stars und Streifen. Oder mit einem schlichten Trauerflor am Arm. Das Andenken an die Opfer der Terroranschläge war beim 28. Berlin-Marathon allgegenwärtig, trotzdem wurde er nicht nur sportlich zum vollen Erfolg. Rund eine Million Menschen feuerten die Läufer an.

Es ist kurz nach zehn auf der Sonnenallee, einzeln oder in kleinen Grüppchen kommen die ersten Zuschauer, einzeln oder in kleinen Grüppchen die ersten Läufer. "Jetzt klatschen", sagt ein kleine Mädchen mit Mütze dann zu seinen Eltern und patscht die Hände zusammen, ohne dass ein Geräusch entsteht.

Zum Thema Online Spezial: 28. Berlin-Marathon Derweil schmettern am Kottbusser Tor türkische Hits aus den Lautsprechern. Vor genau zwei Stunden hat der Regierende Bürgermeister am Charlottenburger Tor den Startschuss abgegeben. Die Japanerin Naoko Takahashi wird in 2 Stunden 19 Minuten und 46 Sekunden auf der Tauentzienstraße durchs Ziel laufen und damit einen historischen Erfolg feiern: Die "Schallmauer" von 2 Stunden 20 Minuten ist gefallen.

Die 38 000 Sportler - Läufer, Inlineskater, Power-Walker und Rollstuhlfahrer - ahnen davon noch nichts. Das trübe Herbstwetter ist für sie eher von Vorteil. Es wird ein vergleichsweise ruhiger Marathontag für die Helfer vom Roten Kreuz: Sie mussten 500 Mal Erste Hilfe leisten. 21 Läufer kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Laut Polizei ist ihr Zustand aber nicht kritisch. Im vergangenen Jahr waren ein Läufer aus Dänemark und einer aus Panama auf der Strecke tot zusammengebrochen.

Aus, vorbei. Die Radfahrerin wollte über den Kottbusser Damm, aber das ist jetzt nicht möglich, das große Feld der Mittelklasse-Läufer walzt sich als nicht endender Strom über den Asphalt. Die Radlerin macht ein genervtes Gesicht, eine Polizistin guckt mitleidig. "Nehmen Sie die U-Bahn-Unterführung von der Station Schönleinstraße", rät ein Passant. So viele Fahrräder wurden selten an einem Vormittag durch die Unterführung getragen. Derweil knatterten am Himmel fünf Hubschrauber.

Im Gedenken an die Toten in New York und Washington war für den Marathon das Motto "Run for peace" ausgegeben worden. Noch nie gab es in Berlin beim Marathon so viele Teilnehmer. Nach Ansicht des für den Berlin-Marathon zuständigen Sportarztes Willi Heepe hat die Veranstaltung damit ihre maximale Größe erreicht. "Mehr darf es nicht sein", sagte Heepe dem Sender Freies Berlin (SFB), organisatorisch sei die Veranstaltung sonst nicht mehr zu bewältigen.

Spannend wurde es, als sich die Masse dem Brandenburger Tor näherte. Die Veranstalter hatten befürchtet, dass sich die Masse in den drei Durchgängen stauen und so persönliche Bestzeiten verhagelt werden könnten. Die Forderung, einen vierten Durchgang zu öffnen, hatte die Senatsverwaltung als zu teuer abgelehnt - ohne es bereuen zu müssen: Es flutschte am Tor, bei den Profis und im Hauptfeld.

Um 11.15 Uhr sind die meisten Skater längst im Ziel. Eingehüllt in weiße Plastikplanen sitzen sie am Wittenbergplatz auf dem Rasen. Gerötete Wangen, entspannte Gesichter. Manche gönnen sich ein erstes Bier. "Erst die Arbeit, jetzt das Vergnügen", sagt einer lachend. Um seinen Hals baumelt eine Medaille, seine Freundin hält eine Sonnenblume. Insgesamt 6105 Skater waren dieses Mal dabei. Der Schnellste war der Franzose Arnaut Giquel (1 Stunde 4 Minuten), die Schnellste hieß Sheila Herrero (1 Stunde 12 Minuten) und kam aus Spanien.

In freier Fahrt kommen sie auf 40 Stundenkilometer, im Gedränge am Tauentzien hatten sie es eher beschwerlich: Die Fahrer in ihren Rennrollis, den Geschossen auf drei Rädern. Dass wieder einmal der Schweizer Heinz Frei als Erster durchs Ziel kam, überraschte hier offenbar niemand. "Das ist unser Lance Armstrong", sagt ein Fahrer und meint: unbezwingbar. Wie an diesem Tag auch Edith Hunkeler. Die Schweizerin kam nach einer Stunde und 47 Minuten ins Ziel.

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