Berlin Marzahn-Hellersdorf : Züge sind von “geringerer Lästigkeit” als Autos

Verkehrslärm macht viele Menschen mürbe. Züge dürfen sogar fünf Dezibel lauter rattern als vorbeifahrende Autos knattern. Linderung war geplant - nun endet die Wahlperiode.

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S- und Fernbahngleise in Berlin. Foto: doris spiekermann-klaas
S- und Fernbahngleise in Berlin.Foto: doris spiekermann-klaas

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Haben Sie in den Sommerferien noch ein bisschen Zeit? Dann hätte ich einen heißen Tipp für Sie. Machen Sie mal Erholungsurlaub an den Schienen. Ja, genau. Nicht mit der Bahn an die See. Sondern Strandliege raus, Sonnenschirm, dazu am besten ein dickes Buch zum Schmökern und es sich dann vor heimischen Gleisen so richtig schön gemütlich machen. Wahre Kenner buchen den Bahnhof Springpfuhl als Feriendestination. Vor sich die Güterzüge und als Hintergrundbeschallung im Rücken das wohlige Rauschen der Märkischen Allee.

Damit das klar ist: Auf die Idee hat mich die Linke gebracht, die letzte Woche umgehend auf die Klage unserer Leserin Sabine Lausch über den Lärm des Bahnverkehrs reagierte. Denn das Rattern von Loks und Waggons ist, wie wir beim Blick ins Drucksachen-Archiv nun lernen, von einer “geringeren Lästigkeit” als vorbeifahrende Autos. Deshalb dürfen Züge auch fünf Dezibel lauter sein, ehe Lärmschutzmaßnahmen nötig werden.

Das geht aus einer Antwort des Bezirksamts auf einen Antrag der Linksfraktion hervor - und zwar schon im Jahr 2011. Die Verwaltung machte den Marzahnern damals wenig Hoffnung auf Linderung. Verantwortlich sei die Bahn, doch kein Grenzwert überschritten. Mittelfristig könnten allenfalls modernere Züge Abhilfe schaffen. Wenigstens der Straßenlärm ließe sich ein bisschen verringern, wenn das Tempolimit auf der Märkischen Allee von 60 auf 50 km/h herabgesetzt würde - “durchaus sinnvoll”, befanden Bezirksbürgermeister Stefan Komoß und Baustadtrat Christian Gräff. Zuständig wäre die Verkehrslenkung Berlin. Und was ist heute? In Teilen immer noch 60. Gräff findet 50 immer noch gut. Und die Wahlperiode ist zu Ende ...

Ingo Salmen ist Online-Redakteur beim Tagesspiegel. Marzahn-Hellersdorf ist für ihn genauso neu wie ganz Berlin, denn er ist erst kürzlich in die Stadt gekommen. Im Gepäck: eine große Leidenschaft fürs Lokale. Und bei Twitter ist er auch zu finden. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-i.salmen@tagesspiegel.de.

Dieser Text ist in unserem Newsletter für Marzahn-Hellersdorf erschienen.

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