• Berlin-maximal-Club: Nußbaum: Bezirke sollten Unternehmen mehr helfen - vor fünf Jahren

Berlin-maximal-Club : Nußbaum: Bezirke sollten Unternehmen mehr helfen - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren plädierte Finanzsenator Nußbaum beim Berlin-maximal-Club für eine S-Bahn-Übernahme durch Berlin. Offen sprach er in der Diskussion auch Defizite der Wirtschaftspolitik der Bezirke an. Was Anna Sauerbrey darüber schrieb.

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Die Geschichte mit dem Bentley hat sich gerade gejährt. Zeit, sie sich noch einmal erzählen zu lassen, fand Gerd Appenzeller. Gemeinsam mit dem Leiter der Berlin-Redaktion, Gerd Nowakowski, moderierte der Chefredakteur von Berlin maximal, dem Wirtschaftsmagazin des Tagesspiegels, eine Diskussionsrunde mit Ulrich Nußbaum. Der Finanzsenator war zum Treffen des Berlin-maximal-Clubs gekommen. Zum Einstieg erinnerte Appenzeller den politischen Gast an dessen holprigen Einstand in Berlin. Als Klaus Wowereit den Bremer 2009 als neuen Finanzsenator präsentierte, war Nußbaum mit dem Bentley in die verschuldete Hauptstadt gereist – ein Fauxpas, der für Diskussionen sorgte. Das andere Auto, erklärte Nußbaum beim Clubtreffen entspannt, habe seine Frau gebraucht.

Inzwischen haben die Berliner gelernt, dass der Fischgroßhändler nicht der wirtschaftsadelige Rüpel ist, als den ihn das dicke Auto zu kennzeichnen schien. Nußbaum versteht die Berliner Befindlichkeiten, ist aber auch bereit, sie zu ignorieren, wenn sie seinem unternehmerischen Denken widersprechen.

Offen sprach der Senator in der Diskussion Defizite der Wirtschaftspolitik der Bezirke an. „Sie bekommen keine Gewerbesteuer, müssen aber die Kosten der Ansiedlung tragen“, sagte der Finanzsenator. Das müsse sich ändern, um die Anreize dafür zu erhöhen, Unternehmen bei der Gründung neuer Standorte zu unterstützen. Auch allgemein ist die bisherige Aufgabenverteilung der zwölf Bezirke für Nußbaum offenbar kein Heiligtum. „Wir müssen nicht alles zwölf Mal durchdeklinieren“, sagte er. „Hier können wir auch strukturell etwas einsparen.“

Nußbaum sagte außerdem, es sei sinnvoll, wenn die Stadt die S-Bahn übernehmen würde. „Dann haben wir alles im Nahverkehr in einer Hand“, sagte er.

Bei den Unternehmern im Publikum kam der Finanzsenator gut an. Der Senator habe „sehr offene“ Antworten gegeben, „frei von politischem Dogma“, sagten Teilnehmer. Ob Ulrich Nußbaum den Unternehmern auch nach der Wahl im nächsten Herbst erhalten bleibt, ist aber noch offen. Dazu, ob er sich die Zusammenarbeit mit einer Bürgermeisterin Renate Künast vorstellen könnte, wollte er sich nicht äußern.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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