Berlin : Mit der Sphinx zum Sonntagsverkauf

Das Kulturkaufhaus Dussmann will sich zum Museumsladen erklären, um jeden Tag öffnen zu können. Aber der Senat reagiert skeptisch. Jetzt soll ein ungewöhnlicher Trick auch regelmäßige Sonntagsöffnungen ermöglichen.

Cay Dobberke
Dussmann
Kultur und Kommerz: Dussmanns Kaufhaus zeigt die Sphinx. -Foto: ddp

Peter Dussmann hat schon oft seine Fantasie bewiesen, wenn es darum ging, sein Kulturkaufhaus in der Friedrichstraße so lange wie möglich zu öffnen; der 68-jährige Unternehmer gilt als Pionier des Spätverkaufs. Um auch am Sonntag öffnen zu können, hat er sich jetzt wieder etwas einfallen lassen. Da eine 3500 Jahre alte Sphinx-Skulptur im Foyer steht, will sich das Kaufhaus zum Museumsladen erklären, für den kein Sonntagsschutz gilt.

Außenstelle des Ägyptischen Museums

Die rund 4,5 Tonnen schwere Granitfigur mit dem Kopf der Königin Hatschepsut stammt aus dem Ägyptischen Museum. Wegen dortiger Umbauarbeiten erhielt Dussmann sie im November als Dauerleihgabe, der Vertrag läuft bis 2015. Damit „sind wir eine Außenstelle des Ägyptischen Museums“, sagt Kaufhausleiter Hartwig Schulte-Loh.

„Wenn unsere Juristen nach der rechtlichen Detailprüfung grünes Licht geben, öffnen wir ab dem Frühjahr an jedem Sonntag“, kündigt er an. Laut einer ersten Bewertung könne die Deklaration zum Museumsshop zwar „schwierig“ werden, es habe aber „niemand gesagt, dass es Unsinn ist“. Der Sonntagsverkauf sei immer das erklärte Ziel des Hauses gewesen, die vom Senat erlaubten verkaufsoffenen Sonntage habe man stets genutzt.

Alle Mitarbeiter zu Prokuristen befördert

Bereits 1997 hatte das Kulturkaufhaus damit begonnen, werktags bis 22 Uhr zu verkaufen – inzwischen werden die Kunden bis 24 Uhr bedient. Dussmanns Trick bestand darin, alle Mitarbeiter zu Prokuristen zu befördern, für die der abendliche Arbeitnehmerschutz nicht galt; mit der weitgehenden Abschaffung des Ladenschlusses in Berlin wurde dieser Sonderweg später überflüssig. Um sonntags öffnen zu können, hatte das Kulturkaufhaus bereits den Status eines Bahnhofsgeschäfts angestrebt. Der S-Bahnhof Friedrichstraße liege schließlich nebenan, hieß es. Das aber genügte der für den Ladenschluss zuständigen Senatsverwaltung für Gesundheit nicht.

Auch den neuen Vorstoß weist Verwaltungssprecherin Regina Kneiding wegen der „eindeutigen Rechtslage“ zurück. Selbst wenn das Kaufhaus durch die Sphinx zum Museumsladen werde, dürfe es nach dem Berliner Ladenöffnungsgesetz nur „Lebens- und Genussmittel“ und „themenbezogene Waren“ anbieten – etwa ein Buch über Ägypten. Der Großteil der Verkaufsfläche mit dem übrigen Sortiment müsse dagegen abgesperrt werden.

Falls Dussmanns Juristen zu einem anderen Schluss kommen, will Kaufhausleiter Schulte-Loh eine Konfrontation vermeiden: „Dann werden wir das Gespräch mit dem Senat suchen.“

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