Berlin-Mitte : Linke beklagen „Ballermann-Atmosphäre" am Alexanderplatz

Die City Ost werde "ignoriert", beklagt die Sprecherin für Stadtentwicklung der Fraktion, Katrin Lompscher - im Gegensatz zur City West. Und bald komme auch noch die "Leichenschau" unter dem Fernsehturm. Die SPD sieht das ganz anders.

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Mit seiner zentralen Lage und den diversen Sehenswürdigkeiten lockt der Alexanderplatz jährlich tausende von Touristen. Nun soll er auch für Einheimische wieder besonders interessant werden.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Mike Wolff
13.09.2011 18:25Mit seiner zentralen Lage und den diversen Sehenswürdigkeiten lockt der Alexanderplatz jährlich tausende von Touristen. Nun soll...

Die alten Reflexe – bei den Linken funktionieren sie bisweilen immer noch: Schuld an der „Ballermann-Atmosphäre“ am Alexanderplatz, so die Sprecherin für Stadtentwicklung der Fraktion, Katrin Lompscher, sei die „kollektive Ignoranz“ um das Schicksal der City Ost – die es so in der „City West“ nicht gebe. Dort sei vor kurzem erst der Büdchenzauber rund um die Gedächtniskirche geräumt worden. Am Alexanderplatz blühe er dagegen weiter, und nun sei sogar noch eine rücksichtslose „Leichenschau“ hinzugekommen. Ost gegen West, wird im Berliner Städtebau tatsächlich noch in den Grenzen von 1989 gedacht?

Aus den Reihen des ehemaligen Koalitionspartners weist man das mit Verwunderung zurück: Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) nutzte die Aussprache im Abgeordnetenhaus für eine Art Regierungserklärung über Mitte und den Alexanderplatz, der eine von „mehreren Stellen der Stadt“ sei mit „positiven Entwicklungen“. Gemeint ist: Die Investoren sind zurück, Hines errichtet einen Wohnturm am Rande des Platzes und auf dem Bauland östlich davon, neben dem Kaufhaus „Alexa“, verhandelt der Senat mit einem weiteren Investor, der hier einen ebenfalls 150 Meter hohen Turm plant.

Berlin Alexanderplatz - Entwürfe für die Neugestaltung
Alfred Döblin widmete ihm 1929 seinen weltberühmten Großstadtroman: dem Alexanderplatz in Berlin. Und auch knapp 100 Jahre später gilt er immer noch als eines der Wahrzeichen der Hauptstadt. Seit einiger Zeit gibt es nun schon Pläne, dem Alex, wie er von allen nur noch liebevoll genannt wird, ein neues, frisches Gesicht zu geben. Doch bisher hat sich noch nicht viel getan. Diese Postkarte aus der Zeit um 1900 zeigt, wie er früher einmal aussah. Wir zeigen Ihnen, wie er in Zukunft aussehen soll.Weitere Bilder anzeigen
1 von 25Foto: dpa
27.01.2014 14:55Alfred Döblin widmete ihm 1929 seinen weltberühmten Großstadtroman: dem Alexanderplatz in Berlin. Und auch knapp 100 Jahre später...

Für die Widrigkeiten im Untergrund des Hines-Turms, wo wie berichtet die BVG Schäden am U-Bahn-Tunnel befürchtet, suchten Investor und Senat gemeinsam Lösungen, so Müller. Und der umstrittene Masterplan von Hans Kollhoff werde angepasst, der Alex aber „nicht als Hochhausstandort infrage gestellt“. Den „Stillstand“, den Antje Kapek (Grüne) beklagt hatte, gebe es nicht.

Nichts wirklich Neues brachte die erneute Aussprache in dem Plenum. Aber wie bemerkte doch CDU-Experte Stefan Evers mit Spott: „Wir sprechen trotzdem gerne alle sechs Wochen zu dem Thema.“

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