Berlin-Mitte : Neuer Thor-Steinar-Laden lockt Neonazis

Die Marke ist umstritten und beliebt bei Neonazis: Thor Steinar. Heute eröffnete ein Geschäft mit Bekleidungsartikeln in Mitte, nachdem ein Mietvertrag am Alexanderplatz ausgelaufen war. Politiker wollen dem Geschäft mit Nazi-Symbolen nun den Kampf ansagen.

Johannes Radke

Die umstrittene Modemarke Thor Steinar will heute ein neues Geschäft in der Rosa-Luxemburg-Straße in Mitte eröffnen. Der Laden, der ausschließlich die bei Neonazis äußerst beliebte Marke verkauft, hat Proteste bei Grünen, SPD und der Linken ausgelöst. Bis zuletzt hatte die für Thor Steinar auftretende Mediatex GmbH aus Königs Wusterhausen die Adresse des neuen Geschäfts geheim gehalten. Mit Briefen, die nur an bereits bekannte Kunden verschickt wurden, lockt die Marke mit großen Eröffnungs-Angeboten für Freitag und Sonnabend.

„Wir werden den Neonazis ihr Einkaufsvergnügen gründlich vermiesen“, sagte Silvio Kurz, Sprecher der Kampagne „Stop Thor Steinar“. Er kündigte an, dass die Initiative am Freitag vor dem Laden protestieren wolle. Mit Flugblättern und persönlichen Gesprächen habe man bereits am Donnerstag viele Anwohner über die Hintergründe der Marke informiert. „Die Nachbarn waren ziemlich erschrocken, dass in ihrer Straße ein Anlaufpunkt für Rechtsextremisten aufmachen soll“, sagte Kurz. Der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber hat Impala-Immobilien aus Hamburg, die die Räume vermietet hat, telefonisch aufgefordert den Mietvertrag sofort zu kündigen – ohne Erfolg. „So lange die ihre Miete zahlen, werden wir sie nicht rausschmeißen“, sagte ein Sprecher von Impala dem Tagesspiegel.

Heute Vormittag wollen Politiker der Grünen, SPD und der Linken gemeinsam vor dem Geschäft Informationsmaterial an die Passanten verteilen. „Es darf in Berlin keinen Platz für solch einen rechten Laden geben, egal ob öffentlich oder privat vermietet“, sagte die Grünen-Abgeordnete Clara Herrmann.

Die Marke ist auch dem Verfassungsschutz bekannt. Thor Steinar sei „ein identitätsstiftendes Erkennungszeichen“ für Rechtsextremisten, sagte Geert Piorkowski vom Verfassungsschutz Brandenburg. „Sie bezeichnen die Firma in ihren Internet-Diskussionsforen als ‚zur Bewegung gehörig‘, die Bekleidung ,werde nicht ohne Grund getragen‘.“ Das alte Thor-Steinar-Geschäft im Berlin Carre am Alexanderplatz musste nach der Kündigung durch den Vermieter gestern schließen.

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