Berlin-Mitte : Wertheim: Nichts als Kulisse

Ein 250 Millionen Euro teures Projekt steht auf der Kippe: Im Frühjahr sollten die Bauarbeiten beginnen, doch Pläne auf dem ehemaligen Wertheim-Areal fehlt dem Investor das Geld. Jetzt sucht er Partner.

Christian van Lessen
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Wertheim an der Leipziger Straße, um 1905.

Wegen der Finanzkrise gerät Berlins prominentestes Bauprojekt ins Wanken. Auf dem 22 000 Quadratmeter großen ehemaligen Wertheim-Gelände in bester Mitte-Lage am Leipziger Platz wollte der Investor Orco ursprünglich in diesem Frühjahr damit beginnen, die Baulücke zu schließen. Geschäfte, Wohnungen, Hotel und Büros mit einer Passage und ein kleines Kaufhaus – ein Projekt für 250 Millionen Euro. Jetzt trüben sich die Aussichten. Ob sich die Pläne verwirklichen lassen, ist unklar. Nur die Stoffkulissen mit den vorgesehenen Fassaden trösten über das Nichts dahinter hinweg.

Zwar hätte Orco für den Baukomplex nach Entwürfen des Architekten Jan Kleihues noch gar keinen Bauantrag stellen können, weil das amtliche Bebauungsplanverfahren vermutlich erst im Frühsommer abgeschlossen ist, doch es fehlt neben der Planungssicherheit auch das Geld zum Bauen. „Wir haben bisher nur in reinen Optimismus investiert“, sagt Sabrina Eilers, Sprecherin des deutschen Orco-Tochterunternehmens. „Wir spüren die Auswirkungen der Finanzkrise, die Banken tun sich schwer mit dem Geldgeben.“ Deshalb suche die deutsche Orco nach Investoren, die sich an dem Bauvorhaben beteiligen können. „Das Projekt steht aber nicht zum Verkauf“, sagt Sabrina Eilers. Mit den Schwierigkeiten der Mutter-Gesellschaft – in Paris hat die Orco-Group Gläubigerschutz beantragt – habe das Tochterunternehmen nichts zu tun. Auch seien die Aktien, vorübergehend vom Markt genommen, seit vergangenem Freitag wieder im Handel.

Mit möglichen Mit-Investoren beim Leipziger-Platz-Projekt gebe es Gespräche. Das Unternehmen hofft, dass eine Partnerschaft zustande kommt. Andernfalls sei das Projekt gefährdet. Schon im Januar hatte das Immobilienunternehmen Orco mitgeteilt, der Zeitplan lasse sich wegen des Bebauungsplanverfahrens nicht halten. 2008 hatte Orco sein Projekt mit Luxuswohnungen an der Fehrbelliner Straße in Mitte mangels Nachfrage gestoppt. Zu den Berliner Projekten gehört auch der geplante Umbau des Hauses Cumberland am Kurfürstendamm.

Das Unternehmen hatte das ehemalige Wertheim-Areal 2006 für 75 Millionen Euro erworben. Schon frühere Eigentümer kamen mit dem Areal nicht zurecht. Nach der Wende wähnte sich der Bund als Eigentümer und wollte das einstige Ost-Berliner Gelände über die bundeseigene Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) verkaufen. Die Pläne der Münchner Investoren Kottmair scheiterten wie derVersuch der TLG, das Gelände selbst für ein Büro- und Geschäftszentrum zu entwickeln. Dann erhoben die Erben der Kaufhausfamilie Wertheim Ansprüche. Der Bund trat 2003 zurück, Karstadt unterlag in einem Prozess gegen die Erben. Sie verkauften schließlich an Orco.

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