• Berlin - Neuer Weltmeister in gestörter Kommunikation -Kritik an verschlafener Bewerbung

Berlin : Berlin - Neuer Weltmeister in gestörter Kommunikation -Kritik an verschlafener Bewerbung

Ulrich Zawatka-Gerlach

Bei dem Versuch, internationale Spitzensportveranstaltungen an Land zu ziehen, hat Berlin in letzter Zeit wenig Fortune. Die Olympia-Bewerbung für 2000 geriet zur Blamage, die Eishockey-Weltmeisterschaft 2001 geht an Berlin vorbei, die Beteiligung an der Fußball-WM 2006 ist eine Zitterpartie, und jetzt wurden die Bewerbungsfristen für die Leichathletik-Weltmeisterschaft 2005 verpasst. Landessportbund-Präsident Manfred von Richthofen und Sportsenator Klaus Böger reagierten gestern verärgert: Nicht der Senat, sondern der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) habe die Panne zu verantworten.

Die Sportverwaltung beklagt, dass sie nicht rechtzeitig über geänderte Antragsfristen informiert worden sei. Ursprünglich wollte der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) über die Vergabe der WM 2005 erst Ende 2001 entscheiden, dann aber wurde die Standort-Auswahl für 2003 und 2005 zusammengelegt. Ein unübliches Verfahren, das dazu führte, dass die Bewerbungsfrist am 31. Januar dieses Jahres endete. Aber auch der neue Termin war dem DLV seit Monaten bekannt.

Trotzdem nahm Michael John, Vizepräsident des Berliner Leichtathletik-Verbandes (BLV), den nationalen Verband gestern in Schutz. DLV-Präsident Helmut Digel habe im Spätsommer 1999, während der Weltmeisterschaft in Sevilla, den damaligen IAAF-Chef Primo Nebiolo über "das nachhaltige Interesse Berlins an einer Bewerbung für 2005" informiert. Bundesinnenminister Otto Schily sei Zeuge gewesen. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen sei, wegen des Wahlkampfes in Berlin, der Einladung nach Sevilla nicht gefolgt. Wenig später verstarb Nebiolo, in Berlin wurde gewählt und ein neuer Senat gebildet. Ein neues Präsidium des BLV musste sich erst einarbeiten. Dies alles habe zu einem "Kommunikationsdefizit" geführt, argumentierte John.

Signale aus Monaco, vom IAAF-Council, Berlin solle trotz der verstrichenen Frist kurzfristig eine Bewerbung nachreichen, hätten den Berliner Verband vor einer Woche veranlasst, den Landessportbund-Chef um Fürsprache bei Diepgen zu bitten. Von Richthofen rief gleich am Dienstagmorgen bei Diepgen an. Der habe sich zunächst auf einen internen Vermerk berufen - es sei noch genügend Zeit für eine Bewerbung, das Thema werde in der nächsten Senatssitzung behandelt. Doch der Regierende ließ sich schließlich vom Ernst der Lage überzeugen. "Wir verabredeten, den Antrag sofort an den IAAF zu schicken", berichtete Richthofen dem Tagesspiegel. Die Unterlagen kamen am Freitag in Monte Carlo an.

Zu spät. Das IAAF-Council akzeptierte die verspätet eingegangene Bewerbung aus Berlin nicht. Nun hat offenbar London gute Chancen, die WM 2005 auszurichten. "Das ist kein Weltuntergang, Berlin wird sich mit Sicherheit für 2007 bewerben", sagte BLV-Vizepräsident John gestern. Von Richthofen schimpfte dennoch auf den nationalen Leichtathletik-Verband, und auch der Direktor des Internationalen Stadionfestes ISTAF, Rudi Thiel, sprach im Radiosender "Berlin aktuell" von einer Schlamperei des DLV. Senatskanzlei-Chef Volker Kähne wies Verdächtigungen zurück, die Bewerbungs-Panne sei der Landesregierung anzulasten.

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