Berlin : Berlin ohne Juhnke – der Abschied

Zahlreiche Freunde und Fans begleiteten den Schauspieler auf seinem letzten Weg

Bernd Matthies

Ein Weg ist zu Ende. Sein Weg. Am Ende der Trauerfeier für Harald Juhnke, als alles gesagt schien, da setzte sich Paul Kuhn an den Flügel, der alte, langjährige Weggefährte, und spielte noch einmal „My Way“, melancholisch, zurückgenommen. Dann folgte das „Ave Maria“, bevor der schwarz glänzende, mit roten Rosen dicht bedeckte Sarg aus der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche getragen wurde.

Es war unter den vielen Trauerfeiern an diesem Ort in den letzten Jahren die, die am meisten Aufmerksamkeit fand, mehr noch als jene von Hildegard Knef oder Brigitte Mira. Alle Plätze drinnen waren besetzt, draußen folgten Hunderte der Übertragung. Drinnen versammelte sich die Bühnenprominenz: Ilja Richter, Otto Sander, Ben Becker, Edith Hancke waren gekommen, der Autor Curth Flatow, Artur Brauner, Udo Walz, die Politiker Walter Momper, Eberhard Diepgen und Antje Vollmer. Die Feier verlief ruhig; lediglich beim Heraustragen des Sarges redete ein Mann vom Vordach der Kirche mit einem Handlautsprecher, wurde aber von den Glocken übertönt. Dann warf er Zettel mit der Aufschrift „Jesus lebt“ in die Menge.

Alle Redner rühmten Juhnke als einen Volksschauspieler im Sinn des Wortes und großen Interpreten ernster wie heiterer Rollen. Er habe alle Höhen des Ruhms erreicht und tiefe Abgründe durchschritten, sagte Klaus Wowereit, „er konnte ohne Berlin nicht sein, und es hatte den Eindruck, als könne auch Berlin ohne ihn nicht sein“. Sein Schlusswort: „Harald, you did it your way.“

Thomas Gottschalk spielte auf den Tod des Papstes an und sagte, offenbar sei es Gott zu langweilig geworden, und er habe das Niveau droben ein wenig anheben wollen: „Der fromme Mann aus Rom und der Spötter aus Berlin stehen nun auf Augenhöhe vor ihm.“ Juhnkes Tragik habe darin bestanden, dass er „so viel mehr konnte als die meisten von uns“, dabei aber manchmal den Blick verloren habe, „wo er eigentlich hin wollte“. Im Scheinwerferlicht habe er fehlerfrei gearbeitet und selbst glanzlosen Produktionen einen Hauch von Klasse verliehen. Weil er sich seinem Publikum auch nach den Auftritten nie verweigert habe, sei er zum „Held der kleinen Leute“ geworden. „Harald“, sagte Gottschalk abschließend, „ich bin überzeugt, du wirst den Lohn dafür erhalten!“ Juhnkes Sohn Peer sagte, die Familie habe immer akzeptiert, dass sie dem Vater stets nur die Nummer zwei gewesen sei, „er verschenkte sich an sein Publikum“. Privat sei er verschlossen gewesen, habe kaum jemanden an sich herangelassen, bescheiden gelebt und sich für materielle Dinge kaum interessiert.

Pfarrer Knut Soppa knüpfte in seiner Predigt an das Wort des Korintherbriefs: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht.“ Wie oft, fragte er, wird Juhnke in einen solchen Spiegel gesehen haben? Allein die Familie habe wohl hinter dem strahlenden Blick das „dunkle Ich“ erkennen können, es seien Ängste stärker und stärker geworden, „die nur durch die Flucht in den Alkohol verdrängt werden konnten“.

Der letzte Weg führte Juhnke auf den Dahlemer Waldfriedhof. Dort nahm die Familie Abschied.

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