Berlin : Berlin passt auf

Mehrmals täglich werden unbeaufsichtigte Gepäckstücke gemeldet – gestern wieder drei

-

Mindestens drei falsche Bombenalarme gab es gestern in Berlin. Nur einer war ernstzunehmen, in den beiden anderen Fällen hatten schusselige Reisende ihr Gepäck am Flughafen Tegel vergessen. Bei der Polizei hieß es, dass nur ein „verschwindend geringer Anteil“ der etwa 600 Bombenalarme im Jahr böswilliger Natur seien. Auch der Anrufer, der gestern eine Bombe im Weddinger Sozialamt ankündigte, erlaubte sich einen ebenso kriminellen wie schlechten Scherz. Gefunden wurde dort nichts.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) lobte gestern die Berliner: „Wenn die Bürger nach dem Prinzip ,keine Angst, aber Wachsamkeit’ handeln, kann das nur in unserem Interesse liegen.“ Die Polizei untersuche lieber einen herrenlosen Rucksack zu viel als zu wenig, unterstrich der Senator. Körting zeigte sich außerdem erleichtert, dass es keine Welle von „Trittbrettfahrern“ gibt – „anders als damals bei den AnthraxBriefen“. Nach den Attacken mit Milzbrandbriefen in den USA hatte es auch in Berlin eine Reihe von Fällen gegeben, bei denen Wasch- oder anderes Pulver per Post verschickt wurde. Durch intensive Ermittlungen war die Polizei den Tätern damals auf die Spur gekommen. Die Innenverwaltung hält es für möglich, dass die anschließenden Prozesse mit Bewährungs- oder Geldstrafen Nachahmer abgeschreckt haben.

Gestern hielten auch eine schwarze Tasche am Tegeler Flugsteig 3 und ein vergessener Koffer an der Bushaltestelle vor dem Flughafen die Polizei in Atem. Beide Fundstücke lösten – erst am Morgen, dann am Mittag – Alarm aus. Gefährlich waren sie nicht. Für die Polizei war der Koffer in diesem Jahr Bombenalarm Nummer 127. Der Bundesgrenzschutz, der in den Flughäfen und den Bahnhöfen – und damit für die Tasche – zuständig ist, nennt keine Zahlen, sie dürften aber ähnlich hoch sein. Pro Tag gibt es also drei bis vier Einsätze, in der Regel nehmen sie ein bis zwei Stunden Zeit in Anspruch.

Die Bahn ist unterdessen mit ihrer Ankündigung vom Vorjahr, die Verursacher falscher Alarme finanziell zur Rechenschaft zu ziehen, gescheitert. Böse Absicht sei in keinem Fall nachzuweisen gewesen, hieß es. Offiziell wollte die Bahn zu dem Thema keine Stellung nehmen. Die Regressforderung sei vor allem zur Abschreckung in die Hausordnung aufgenommen worden. Ha/wvb.

0 Kommentare

Neuester Kommentar