Berlin : Berlin – pleite, aber dynamisch Die „Herald Tribune“

besuchte Klaus Wowereit

Ulrich Zawatka-Gerlach

„Tadellos gekleidet mit einem schwarzen Anzug, strahlt er einen Charme und Optimismus aus, der mit der Neigung der Deutschen zum Jammern überhaupt nichts zu tun hat.“ Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit muss bei Judy Dempsey, der außenpolitischen Korrespondentin der International Herald Tribune, einen starken Eindruck hinterlassen haben, als sie ihn an „einem sonnigen Nachmittag“ im Roten Rathaus besuchte.

Er wolle nirgendwo anders leben als in Berlin, verriet Wowereit in dem Gespräch, das gestern in großer Aufmachung erschien. Als fünfter Teil einer Serie über die Bürgermeister besonders interessanter Metropolen: Nach Malaysia, Paris, London und Manila war die deutsche Hauptstadt an der Reihe. Und damit Klaus Wowereit, „der liebend gern essen und ins Kino geht“. Zwei Bezirke legte er den Lesern der angesehenen amerikanischen Zeitung besonders ans Herz: Prenzlauer Berg – „the hip place to be“. Und das „marvelously mixed“ Kreuzberg. Berlin sei eben „eine Stadt mit Charakter“, multikulturell und tolerant.

Wobei diese Toleranz, erklärt die Herald Tribune, für Wowereit eine besondere Bedeutung habe. Erinnert wird an 2001, als er öffentlich kundtat: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so.“ Das sei damals nicht leicht gewesen, erklärte Wowereit, aber heute kein großes Thema mehr. Einen sanften Tadel erteilte Judy Dempsey, früher Redakteurin der Financial Times, dem Regierenden Bürgermeister am Ende doch. Für die hohe Verschuldung Berlins habe Wowereit nur ein Achselzucken übrig gehabt und auf die Situation anderer Millionenstädte verwiesen.

„So ein Vergleich ist für die Berliner kaum beruhigend“, urteilt die Herald Tribune streng. Zumal New York mit 6223 Euro pro Kopf verschuldet sei, Berlin aber mit 18100 Euro. Auch an den „spektakulären Bankenskandal“ wurde in diesem Zusammenhang erinnert. Trotz alledem: Die Menschen kämen scharenweise in die Stadt, um sich dort niederzulassen, und der Tourismus entwickle sich phänomenal. Dies scheine Wowereits Anspruch, „in der Mitte Europas wirklich international zu sein“, zu bestätigen.

Für ihren großen Bericht wählte die Herald Tribune übrigens folgende Überschrift: „Pleite, aber dynamisch. Berlin sucht eine neue Identität.“

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