Berlin, Potsdam und die Olympiabewerbung : Reitwettkämpfe in Sanssouci möglich

Der Potsdamer Park Sanssouci könnte Austragungsort der Spiele 2024 oder 2028 werden. Kulturministerin Sabine Kunst will das jetzt prüfen - und sogar die bislang eher skeptische Schlösserstiftung erwägt einen Kurswechsel.

von , , und Katharina Wiechers
Olympisches Dressurreiten? Na, fast. Wolfgang und Diana Krischke posieren in historischen Kostümen auf ihren Pferden vor den Kolonnaden in Sanssouci. Zur Wiedereröffnung der sanierten Kolonnaden soll vor der historischen Kulisse am 11. September eine barocke Pferdeoper mit 24 Tieren stattfinden – und 2024 vielleicht Olympia.
Olympisches Dressurreiten? Na, fast. Wolfgang und Diana Krischke posieren in historischen Kostümen auf ihren Pferden vor den...Foto: dpa

Bei einer Bewerbung der Stadt Berlin für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 könnte der Potsdamer Park Sanssouci einer der Austragungsorte werden. Der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Hartmut Dorgerloh, hält es „grundsätzlich für vorstellbar“, dass dann am Neuen Palais die Wettkämpfe im Dressurreiten stattfinden. „Es hängt von den Rahmenbedingungen ab“, sagte Dorgerloh. Am Montag hatten der scheidende Berliner Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) die Olympiabewerbung der Hauptstadt vorgestellt und Brandenburgs Sportministerin Martina Münch (SPD) das Neue Palais als möglichen brandenburgischen Austragungsort genannt.

Der Park Sanssouci gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Schlösserstiftung, getragen von Brandenburg, Berlin und dem Bund, aber permanent in Finanzierungszwängen, war bislang gegen eine Olympia-Fremdnutzung. Der Generaldirektor der Stiftung verwies nun hingegen darauf, dass die Kulisse am Neuen Palais regelmäßig für große Open-Air-Konzerte genutzt werde und Standort der Universität sei. „Wir haben Erfahrung darin, wie man denkmalverträglich damit umgeht“, sagte Dogerloh. Er verwies auf die Olympischen Sommerspiele in London 2012, während derer der berühmte Hampton Court – ein Barockschloss mit seinen ausgedehnten Gärten, eines der Hauptwerke des Tudorstils in England – ebenfalls Austragungsort der Olympischen Spiele war, als Start und Ziel für Straßenradrennen.

Auch die Vorsitzende des Stiftungsrats der Schlösserstiftung, Brandenburgs parteilose Kulturministerin Sabine Kunst, zeigte sich offen für die Idee. „Wenn es möglich ist, 30 000 Menschen an der Potsdamer Schlössernacht teilnehmen zu lassen, dann denke ich, ist so eine Veranstaltung mit ein paar Tausend Gästen jedenfalls nicht grundsätzlich auszuschließen. Ich denke, dass man das durchaus ernsthaft prüfen kann“, sagte die Ministerin dem Tagesspiegel.

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Konkrete Pläne sind der Stiftung laut Dorgerloh noch nicht bekannt. In der offiziellen Interessenbekundung Berlins heißt es lediglich: „Die Wettbewerbe im Dressurreiten sollen vor der eindrucksvollen Schlosskulisse des Neuen Palais in Potsdam stattfinden, ein Highlight für die Athletinnen und Athleten ebenso wie für die Gäste. Vom Olympischen und Paralympischen Dorf liegt das Areal 34 Kilometer entfernt. Die erforderlichen Zuschauerkapazitäten mit 12 000 Plätzen werden temporär nach Maßgabe des Denkmalschutzes in das Ensemble eingefügt.

In dem Konzept für eine Olympiabewerbung Berlins für das Jahr 2024 oder 2028, das am Montag vorgestellt worden war, will die Hauptstadt mit Nachhaltigkeit und Bürgernähe den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) von sich überzeugen. „Wir wollen eine Rückbesinnung auf die olympische Idee“, hatte Wowereit gesagt. Im Mittelpunkt sollten die Athleten stehen „und nicht Funktionäre oder andere Randerscheinungen“. Die Investitionskosten bezifferte er auf rund 2,4 Milliarden Euro, darunter rund eine Milliarde Euro für temporäre Bauten. „Brandenburg ist ein Sportland – deshalb werden wir Berlin bei seinen Planungen im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen“, hatte die märkische Sportministerin Münch gesagt. Neben dem Neuen Palais nannte sie als Austragungsorte den Beetzsee in Brandenburg sowie die Fußballstadien in Cottbus und Potsdam.

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