Berlin-Prenzlauer Berg : Er stahl Honig-Gläser und muss nun wohl in Haft

Fünf Gläser verstaute er in seiner Jacke, prügelte dann auf den Verkäufer ein. Es war nicht seine erste Tat.

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Eine Biene läuft in einem Bienenstock über die mit Honig gefüllten Waben.
Eine Biene läuft in einem Bienenstock über die mit Honig gefüllten Waben.Foto: dpa

Der schlaksige Mann schlich durch den Bio-Markt und stoppte beim Honig. Fünf Gläser verstaute er in seiner Jacke, die er beutelartig verknotet hatte. Goldener Saft, der Wunder schafft, heißt es. Der 23-jährige Bogdans G. aber dachte nicht an die Gesundheit. Für ihn war es Beute – süß, klebrig und wertvoll nur, weil er sie verscherbeln wollte. 59,95 Euro hätte er bezahlen müssen. Er aber stürmte aus dem Markt in Prenzlauer Berg.

Seinem Verfolger fielen erst Honiggläser vor die Füße und dann der Dieb. Drei Monate später ist G. im Kriminalgericht ein wirklich seltener Fall. Honig – Lindenblüte oder Lavendel – als Hehlerware? Der stellvertretende Leiter des Bio-Marktes nickte: „Es gibt Spezialitäten, da kostet das Glas bis zu 35 Euro.“ Es werde viel geklaut. Längst seien es nicht nur Kosmetika oder Kaffee. „Vor das Honig-Regal kommt demnächst eine Kamera.“

"Das war ein unglaublicher Schmerz"

G. sei mit einem weiteren Mann unterwegs gewesen. „Sie sind dann raus aus dem Laden - ich aber hinterher.“ Die Gläser, die G. nach und nach verlor, erwiesen sich zum Glück als sturzfest. „Als ich sie einsammeln wollte, ging es richtig los», beschrieb der 35-Jährige.“ G. habe ihn geschlagen und getreten. Auch mit einem Glas, 200 Gramm schwer. „Das war ein unglaublicher Schmerz.“

"Mein erster Honig-Fall", sagt der Richter

Bogdans G. kam im September aus Lettland - auf der Suche nach einem Job. Er arbeitete ab und zu schwarz auf dem Bau. Seinen Frust spülte er mit Alkohol herunter. „Wenn ich nichts zu tun habe, trinke ich – und dann passieren diese Abenteuer“, sagte der Angeklagte. Er hat sich mehr als den Honig-Klau geleistet. Bereits im Januar und im Juni stand er als Dieb vor Gericht, bekam eine Geldstrafe, dann Bewährung. Zudem soll er in einer U-Bahn einen Mann attackiert haben. Die süße Beute wird G. – so ist es zwischen den Prozessbeteiligten besprochen – hinter Gitter bringen. Die saure Zeit soll etwa eineinhalb Jahre betragen. „Mein erster Honig-Fall“, sagte der Richter. Fortsetzung: Montag.

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