Berlin-Prenzlauer Berg : Was fürs Leben lernen

In London entstand 2008 die „School of Life“ – nun kommt sie nach Berlin. Ab heute wird auch in Prenzlauer Berg Philosophie und Selbsthilfe unterrichtet.

Yasmin Polat
Lebenskünstler: Dörte Ilsabe Dennemann und Thomas Biller, Gründer der "The School of Life Berlin".
Lebenskünstler: Dörte Ilsabe Dennemann und Thomas Biller, Gründer der "The School of Life Berlin".Foto: Thilo Rückeis

Designerlampen an der Decke, Wände in schickem Grau, eine minimalistische Sitzgruppe: Wie eine klassische Schule sehen die Räumlichkeiten der „School of Life“ nun wahrlich nicht aus. Eher wie eine Mischung aus Concept Store und Seminarraum. Offizielle Bezeichnung: „Erwachsenenbildungseinrichtung“. Angeboten werden Kurse, in denen Alltagsfragen aus den Bereichen Philosophie, Kunst und Design beantwortet werden sollen. Hier trifft cleveres Marketing auf kollektives Wissen, und das kommt offenbar an: Weltweit gibt es bereits Standorte in Paris, Melbourne, London, Tel Aviv und São Paolo – und ab heute auch in Prenzlauer Berg.

„Good ideas for everyday life“ steht an den Außenfenstern des Altbaus in der Lychener Straße. Hier befindet sich der Berliner Ableger der „School of Life“ mit einem Ausstellungs- und einem Seminarraum. „Es geht darum, Ratgeber-Tipps umzusetzen in das reale Leben, in ein Gemeinschaftserlebnis“, sagt Geschäftsführer Thomas Biller. Der 52-Jährige hat Literatur und Philosophie studiert, lange als Inhaber zweier Fernsehproduktionsfirmen gearbeitet und dann in London eine Ausbildung zum Koch und Patissier absolviert. Dort sei er immer an der „School of Life“ vorbeigelaufen.

Keine klassische Schule, sondern ein Ratgeber

Genau dort, in London, hat die Schule ihren Ursprung. 2008 vom britisch-schweizerischen Philosophen und Bestsellerautor Alain de Botton gegründet, ist die „School of Life“ keine klassische Schule oder Weltanschauung. Vielmehr will sie eine Art Ratgeber zum Anfassen sein, in der Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen zu Lebensthemen referieren, Kurse geben oder Exkursionen mit thematischen Schwerpunkten veranstalten. „Es gibt keinen passenden Begriff für das, was wir genau sind“, sagt Biller. „Wir behandeln all die Fragen, die das Leben betreffen, jenseits von der bloßen Wissensvermittlung.“ Diese Fragen lauten zum Beispiel: „Wer ist mein wahres Selbst?“ oder „How to: Gekonnt mit Konflikten umgehen“ und verbinden in dreistündigen Abendkursen große philosophische Theorien mit aktueller Psychologie. Das heißt, dass beispielsweise die Suche nach dem passenden Job von und mit einer Arbeitspsychologin besprochen werden kann, aber sich womöglich zusätzliche Antworten in der Philosophie und Kunst finden.

Fünf Dozenten in Literatur, Psychologie und anderen Fächern

„Wir hüpfen ein bisschen durch die Schubladen, aber sehr säkular und freigeistig“, sagt Dörte Ilsabe Dennemann, Kulturwissenschaftlerin und Geschäftspartnerin von Biller. Sie zeigt auf die ausgestellten Bücher, auf denen Titel wie „How to be bored“ oder „How to choose a partner“ stehen – alle mit einprägsamem Layout in knalligen Farben.

Mit Schubladen meint die 38-Jährige Disziplinen wie Literatur, Philosophie, Coaching, Psychologie. Die momentan fünf hauseigenen Dozenten der „School of Life“ kommen aus diesen Bereichen. Es sollen aber auch externe Experten herangezogen werden: „Wir haben bei unserem Eröffnungsprogramm am Donnerstag die drei Rockstars der Philosophie zu Besuch“, sagt Biller lächelnd und meint damit die Philosophen und Autoren Wilhelm Schmid, Svenja Flaßpöhler und Wolfram Eilenberger.

Biller und Dennemann sind Gesellschafter, haben sich um die Betreuung des Berliner Ablegers beworben. Mit der von ihnen erworbenen Lizenz aus London können die Geschäftsführer zur Hälfte eigene Kurse entwickeln, die andere Hälfte kommt aus London. In der Schule steckt ihr Eigenkapital. „Ansonsten wollen wir uns über Eintrittsgelder finanzieren, weswegen diese etwas höher sind als die von staatlich geförderten Institutionen, aber auch viel niedriger als bei anderen Coaching-Angeboten“, sagt Dennemann.

Ein dreistündiger Abendkurs mit rund 20 Teilnehmern kostet 39,50 Euro. „Wir starten erst mal mit fünf Kursen, schauen, wo die Interessen der Berliner liegen“, sagt Dennemann. Dann soll das Kursangebot ausgebaut werden.

In Prenzlauer Berg hoffen sie, genau die Zielgruppe für ihre Schule zu finden: Menschen von Ende zwanzig bis Mitte fünfzig, gut ausgebildet, gut verdienend. Die „School of Life“ sei aber für jeden offen, sagt Dennemann: „Man sollte dann zu uns kommen, wenn man Fragen hat.“ Eine Kundin kommt herein, um sich für den Donnerstagskurs „Liebe ist, den Partner nicht so zu nehmen, wie er ist“ anzumelden. „Dafür dass wir noch keine Werbung geschaltet haben, gibt es schon einige Anmeldungen“, sagt Dennemann.

Am Eingangstresen hängt auch ein grüner Leinenbeutel mit dem Aufdruck „Emotional Baggage“, den man kaufen kann. Seinen emotionalen Ballast kann man in der „School of Life“ mit anderen teilen und womöglich loswerden – oder weiter mit sich herumtragen.

Die Eröffnungsveranstaltung der „School of Life“ Berlin findet am heutigen Donnerstag um 19 Uhr in der Aula der GLS-Sprachschule, Kastanienallee 82, Prenzlauer Berg, statt. Eintritt: 15 Euro. Am Sonnabend findet ein Tag der offenen Tür in der Lychener Straße 7, Prenzlauer Berg, statt. Weitere Informationen unter: www.theschooloflife.com/berlin

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