Berlin : Berlin redet über Olympia, Deutschland plant schon

Sigrid Kneist

Bislang wird nur geredet, geplant noch nicht, geschweige denn gehandelt. Und dabei soll es nach Auffassung des Senats bis zum 3. November bleiben. An diesem Tag will das Nationale Olympische Komitee (NOK) entscheiden, ob es eine deutsche Bewerbung für das Jahr 2012 geben wird. Nur wenn diese pro Olympia ausgeht, womit alle Sportfunktionäre rechnen, wird der Senat entscheiden, ob auch Berlin ins Rennen geht, sagt Senatssprecher Helmut Lölhöffel: "Wir haben uns in keiner Senatssitzung mit Olympia befasst. Einen Olympia-Beauftragten gibt es nicht." Vor dem 3. November müsse man nicht aktiv werden. Die Neigung dazu ist ohnehin nicht groß. Olympia ist in Berlin, wo sich zu viele noch an die verpatzte 2000er-Bewerbung erinnern, angesichts der knappen Kassen nicht das populärste Thema, zumal im Wahlkampf.

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg So wurde der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der eigentlich für 2016 an eine Bewerbung dachte, vor gut drei Wochen von einem Beschluss des NOK-Präsidiums überrumpelt. Dieser sieht vor, dass ein deutscher Kandidat für 2016 auch schon 2012 ins Rennen gehen muss. Begründung: Für einen Erfolg braucht man langen Atem; im ersten Anlauf ist fast keine Stadt erfolgreich. Da musste Wowereit notgedrungen verkünden, dass Berlin eine Bewerbung für 2012 prüfen werde. Dass er dies mit Überzeugung tat, bezweifeln Insider. Im Senat hat sich zudem bisher nur Sportsenator Klaus Böger (SPD) als Fürsprecher für 2012 zu Worte gemeldet. Denn der Landessportbund (LSB) sprach sich im Juni dieses Jahres für eine Bewerbung aus. Da könne ein Sportsenator nicht anders, sagen Insider.

Die möglichen Koalitionspartner Bündnis 90/Grüne und PDS lehnen die Bewerbung kategorisch ab. "Olympischer Größenwahn - nicht mit uns!", verkündete Grünen-Spitzenkandidatin Sibyll Klotz. Nicht viel anders klingt es bei der PDS. Befürworter finden sich nur bei CDU und FDP.

"Jetzt sollen mal andere drankommen"

Berlin muss sich nicht nur auf Opposition in der Stadt einstellen. Das NOK äußert sich zwar neutral. Der einflussreichste Gegner Berlins ist aber der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, der keine Gelegenheit auslässt, dies auch kundzutun. Als früherer Berliner LSB-Chef hat er das Desaster von 1993 noch zu gut vor Augen. "Jetzt sollen auch mal andere drankommen." Seinerzeit habe man von den anderen deutschen Städten einen Verzicht verlangt. Dies werde es jetzt bestimmt nicht geben. In den Startlöchern stehen Hamburg, Frankfurt/Main, Stuttgart, Düsseldorf und Leipzig. Nordrhein-Westfalens Sportminister Michael Vesper lehnt einen Rückzieher von Düsseldorf zu Gunsten Berlins ab. "Wir haben uns schon einmal für Berlin zurückgezogen. Damals hat die Stadt ihre Bewerbung dramatisch in den Sand gesetzt", sagte Vesper dem Tagesspiegel. "Olympische Spiele müssen nicht in Hauptstädten stattfinden." Vesper verweist auf die Wirtschaftskraft, die in seiner Region hinter Olympia steht.

Demgegenüber hält DSB-Präsident Manfred von Richthofen die Berliner Wirtschaft für überfordert. "Es kann mir keiner erzählen, dass die Olympia-Bewerbung nur von der Wirtschaft zu finanzieren ist." Er spielt damit auf den Unternehmensberater Nikolaus Fuchs an. Dieser hatte angekündigt, mit dem IHK-Präsidenten Werner Gegenbauer und dem Unternehmer Roland Specker, der Christos Reichstagsverhüllung begleitet hatte, ein privat finanziertes Konzept für eine Bewerbung auf die Füße zu stellen. Die Rede ist von zunächst 2 Millionen Mark, die die Teilnahme an der nationalen Kür kosten soll. In Sachen Olympia ist Fuchs kein Unbekannter: Er war erster Geschäftsführer der Olympia-Marketing-GmbH. Fuchs musste seinen Job aufgeben, als die Daten über persönliche Vorlieben der IOC-Mitglieder bekannt wurden.

Das Fuchs-Konzept betrachten auch Senatsangehörige skeptisch: "Das wollen wir erst mal sehen." Ganz privat werde es bei der internationalen Bewerbung bestimmt nicht gehen. Allerdings zeigt man sich zuversichtlich, die nationale Auswahl ohne großen Aufwand stemmen zu können. Im Prinzip müsse nur das alte Konzept überarbeitet werden; das bedeute in erster Linie redaktionelle Arbeit. Denn das Konzept von damals gilt heute noch als gut. Und die Experten verweisen auf die mittlerweile vorhandene Infrastruktur: Zwei olympiataugliche Sporthallen und ein Schwimmstadion sind vorhanden, die Sanierung des Olympiastadions ist im Gange, und die Großhalle in Planung. "Da kriegen wir doch noch ein olympisches Dorf gebaut."

Wenn wirklich der politische Wille da sein sollte, dann könne man locker bis Ende April, wenn das NOK den deutschen Kandidaten auswählt, eine Bewerbung erstellen. Den Vorlauf der anderen Städte, die teils schon seit Jahren planen, brauche Berlin nicht. Aber wie gesagt, in Berlin wird bisher nur geredet, noch nicht geplant, geschweige denn gehandelt.

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