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Berlin-Reinickendorf : Karstadt-Kaufhaus statt Center in Tegeler Fußgängerzone

Das erste neue Karstadt-Warenhaus seit Jahrzehnten soll das geplante „Tegel Quartier“ beleben. Ein großes Einkaufszentrum wie andernorts ist dagegen nicht geplant.

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Neues in Alt-Tegel. Das Bild zeigt die geplante Gestaltung an der Gorki-, Ecke Buddestraße, aber nicht den Karstadt-Standort.
Neues in Alt-Tegel. Das Bild zeigt die geplante Gestaltung an der Gorki-, Ecke Buddestraße, aber nicht den Karstadt-Standort.Simulation: HGHI

Lange war es still um die rund 300 Meter lange Fußgängerzone Gorkistraße in Alt-Tegel – dann aber wurde im Januar bekannt, dass Berliner Investoren das „Tegel Center“ und das ehemalige Hertie-Kaufhaus zum „Tegel Quartier“ umbauen wollen. Und vor drei Wochen führte Karstadts Ankündigung, dort das erste neue Warenhaus des Konzerns seit mehr als 30 Jahren zu eröffnen, zu noch mehr Schlagzeilen. Am Dienstag war nun mehr über die Pläne zu erfahren.

Karstadt wird „Ankermieter“

Der Baubeginn sei für den Januar 2017 geplant, teilte der Bauträger „Tegel Quartier GmbH“ auf Nachfrage mit. Karstadt plant 8800 Quadratmeter Verkaufsfläche in vier Etagen, will im Frühjahr 2018 eröffnen und soll zum „Ankermieter“ in der Gorkistraße werden. Noch ist aber unklar, ob die Warenhauskette das seit sieben Jahren leer stehende Hertie-Haus an der Ecke Berliner Straße übernimmt. Historisch gesehen läge dies nahe, zumal das alte Kaufhaus bereits von den 1930er Jahren bis 2006 zu Karstadt gehörte.

Zwei Bauherren wollen 250 Millionen Euro investieren

Das ganze „Tegel Quartier“ soll 250 Millionen Euro kosten. Hinter dem Vorhaben stehen als „gleichberechtigte Partner“ der Shoppingcenter-Experte Harald Huth sowie der junge Architekt und Kaufmann Sascha Maruhn. Er ist der Sohn des Immobilienunternehmers Detlef Maruhn, der in Berlin beispielsweise am Umbau von Haus Cumberland am Ku’damm beteiligt war. Sascha Maruhns erstes eigenes Projekt war der Umbau eines Geschäftshauses in der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg.

Hertie Tegel
Vergangene Zeiten. Für Hertie in Tegel kam 2009 das Aus, als die Kaufhauskette pleite ging.Foto: dpa

Bauherren versprechen abwechslungsreiche Architektur

In Tegel wollen die Bauherren die Besucherzahl in der Fußgängerzone verdoppeln. Bisher kommen schätzungsweise etwa 15 000 Passanten pro Geschäftstag dorthin. Es gehe nicht um ein Center, sondern um Geschäftshäuser mit verschiedenen Fassaden, betonen die Investoren. Auch kulturelle Nutzungen seien angedacht. Die alte Markthalle will man erhalten.

Als Architekten sollen unter anderem das Berliner Büro von Max Dudler und das Büro Ortner & Ortner beauftragt werden. Noch ist die Architektur aber nicht mit dem Bezirksamt Reinickendorf abgestimmt. Der Bauantrag wird voraussichtlich in diesem Sommer gestellt.

Insgesamt soll die Verkaufsfläche in den Gebäuden von 35 000 auf 50 000 Quadratmeter wachsen. Auch 50 Wohnungen gehören zum Konzept. Dafür soll die Zahl der Stellplätze im Parkhaus des bisherigen „Tegel Centers“ von 900 auf 600 sinken. Für ein bestehendes Bürohochhaus nahe der Buddestraße, in dem das Bezirksamt zu den Mietern gehört, ist eine neue Fassade geplant.

Ist der Markt für Center gesättigt?

Die große Zeit der Shoppingcenter sei vielerorts in Berlin vorbei, glaubt Maruhn. Die Kundschaft flaniere lieber in Einkaufsstraßen, und an Standorten wie der Steglitzer Schlossstraße reihe sich schon Center an Center.

Das sieht sein Investmentpartner grundsätzlich anders: Harald Huth hat Center wie „Das Schloss“ in Steglitz und die „Mall of Berlin“ in Mitte auf den Weg gebracht, lässt in Moabit gerade das „Schultheiss Quartier“ bauen und plant rund ums Charlottenburger Karstadt-Haus am Kurfürstendamm auch noch die „Mall of Ku’damm“.

Dennoch sind sich Huth und Maruhn einig darin, dass die Gorkistraße nicht der passende Ort für ein Einkaufszentrum sei. Sowohl die „Revitalisierung der Fußgängerzone“ als auch der Vertrag mit Karstadt seien seine Ideen, betonte Huth am Mittwoch.

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