Berlin : Berlin ruft

Drei US-Magazine widmen sich derzeit der deutschen Hauptstadt. Und loben sie in den höchsten Tönen

Katja Füchsel

Aufregend, ultracool, immer in Bewegung – welcher Berliner traute sich schon, so dick aufzutragen, wenn es um die eigene Stadt geht? Nun, die Amerikaner zeigen da weniger Scheu, in den USA liegt Berlin mehr denn je im Trend. Wie der Blick auf die amerikanischen Zeitungskioske beweist: Gleich drei renommierte Magazine – mit einer Gesamtauflage von über 2,2 Millionen Exemplaren – widmen sich derzeit der deutschen Hauptstadt. „Berlin Calls“, titelt beispielsweise die aktuelle Ausgabe des „National Geographic Traveler“, eine der größten Reisezeitschriften in den USA. Weil die Atmosphäre hier „einzigartig“ sei, ein Magnet für Künstler, Rebellen und junge Leute.

Der mufflige Icke-Berliner, mit Currywurst und Trainingsanzug, hat als Klischee offenbar ausgedient. Jetzt kann man als Eingeborener bei der Lektüre geradezu Selbstbewusstsein tanken. Merke: Berlin ist nicht nur hip, sondern auch Deutschlands ungekrönter Meister darin, sich immer wieder neu zu erfinden. Nach ein, zwei Jahren, schreibt der Geographic Traveler, ist in Berlin kaum noch etwas wie und wo es vorher war. Die „Elle Decor“, ein beliebtes amerikanisches Life- Style-Magazin, stimmt in ihrer aktuellen Ausgabe jubelnd ein: „Das Wettrennen mit der Zukunft ist das Einzige, was in der deutschen Hauptstadt noch auffälliger ist als die Vergangenheit.“

Als Geheimtipps kann man die Routen, die beide Zeitschriften ihren Lesern anempfehlen, sicher nicht bezeichnen. Dafür findet sich viel Bewährtes, als „Essentials“ gelten unter anderem der Potsdamer Platz, das Pergamon-Museum, der Checkpoint Charlie, das Jüdische Museum, die Kulturbrauerei, die Hackeschen Höfe, der Ku’damm… Zum Essen werden die Touristen beispielsweise ins Borchardt geschickt oder ins Café Einstein, C.Matto, Gugelhof und Lutter & Wegner. Unter der Rubrik Shoppen führen das KaDeWe, KPM und Steiff die Listen an. Und zum Ausgehen wird die Bar jeder Vernunft empfohlen oder die Philharmonie. Auch das „Cookies“ taucht auf – allerdings ist der Mitte-Club schon seit Anfang des Jahres geschlossen.

Den „ehrlichsten Blick“ auf das gegenwärtige Berlin, so schreibt der „Geographic Traveler“, aber bieten Kieze wie das multikulturelle Kreuzberg, „wo niemand mehr fragt, ob man ursprünglich aus dem Osten oder aus dem Westen kommt.“ Und in noch einem Punkt sind sich die Autoren einig: Schon die Zeugnisse der wechselhaften Geschichte machten die Städtereise einzigartig. Das Reisemagazin „Travel + Leisure“ widmet sich in seiner März-Ausgabe dem Holocaust-Mahnmal, seiner Entstehungsgeschichte und bevorstehenden Eröffnung am 12. Mai.

Berlin: a magnet for the hip. Gute Laune haben die drei amerikanischen Magazine vor allem bei den Werbern der „Berlin Tourismus Marketing“ (BTM) verbreitet. „Kultur, Architektur und Geschichte sind Themen, die bei den US-Amerikanern eine wichtige Reisemotivation darstellen“, sagt Geschäftsführer Hanns Peter Nerger. Bereits 2004 hat die BTM kräftige Zuwächse aus Amerika registriert: Die Zahl der Touristen stieg um 26,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 156 257 Besucher – Tendenz steigend. Denn ab Mai fliegt zunächst Delta Airlines direkt nach New York, im Juni ziehen die Continental Airlines nach. Nerger: „Vor allem durch die bessere Anbindung wird die Attraktivität weiter zunehmen.“

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