Berlin-Schöneberg : Griechische Kulturstiftung am Wittenbergplatz schließt

Kein Euro aus Athen: Die Zweigstelle organisiert gerade einen Totalumzug, alles muss raus, Bilder, Möbel, Unterlagen. Die neue Adresse fürs Inventar ist weniger beeindruckend: ein Depot 20 Kilometer außerhalb von Berlin.

Frank Bachner
Berlin-Schöneberg, Wittenbergplatz 3a. Das Griechische Kulturinstitut muss schließen.
Berlin-Schöneberg, Wittenbergplatz 3a. Das Griechische Kulturinstitut muss schließen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Konstantinos Papamichalopoulos hatte den Termin fest eingeplant. Am 13. März sollte er eine Ausstellung seiner Comics und Grafiken in der Berliner Zweigstelle der griechischen Kulturstiftung eröffnen. Doch an diesem Tag könnte er in den Räumen am Wittenbergplatz 3a in Schöneberg höchstens noch auf kahle Wände starren: Der Termin ist gestrichen. Die Zweigstelle organisiert gerade einen Totalumzug, alles muss raus, Bilder, Möbel, Unterlagen. Die neue Adresse fürs Inventar ist weniger beeindruckend: ein Depot 20 Kilometer außerhalb von Berlin. Die Zweigstelle selbst schließt auf unabsehbare Zeit. Ausstellungen, Sprachkurse, Bibliothek, alles erst mal Vergangenheit.

„Etwas mysteriös“ nennt Zweigstellen- Direktor Eleftherios Ikonomou die Aktion. „Wir wissen nicht, wohin die neue Zweigstelle kommt und wann sie eröffnet wird.“ Er weiß nur, dass er am Mittwoch einen Anruf von Christopoulos Giallourdes, dem Präsidenten der Griechischen Kulturstiftung in Athen erhielt. „Sie müssen sofort die Zweigstelle räumen“, habe Giallourdes mitgeteilt. Der Mietvertrag laufe Ende März aus, außerdem sei die Miete ohnehin viel zu hoch.

Um den Mietvertrag kümmerte sich offenbar niemand

Dass der Vertrag ausläuft, wusste Ikonomou bereits, schließlich habe er dies im Juli 2013 Athen selbst mitgeteilt. Eine Reaktion habe es damals nicht gegeben. Der Posten des Stiftungsdirektors in der Zentrale war bis Dezember nicht besetzt, um den Mietvertrag kümmerte sich offenbar niemand. Erst mit Giallourdes’ Dienstbeginn wurde Berlin ein Thema. Nur: Als Experten im Januar in Athen darüber berieten, „war ich leider nicht dabei“, sagt Ikonomou. Wenigstens sei nun wieder Geld geflossen, denn von Februar bis Dezember des vergangenen Jahres hätten er und seine zwei Angestellten kein Gehalt bekommen, sagt Ikonomou. Im Januar sei alles nachbezahlt worden. Seine schriftlichen Fragen zur Zukunft des Hauses seien hingegen unbeantwortet geblieben.

Weder dem Direktor noch den Angestellten ist bisher gekündigt worden. Ob sie auch im März ihre Gehälter bekommen, ist bislang unklar. Die Kulturstiftung gehört zum Kulturministerium, und dessen Budget für die Stiftung und ihre Zweigstellen ist dramatisch zusammengeschmolzen.

Immerhin hat das Geld für das Berliner Büro noch gereicht, um für die ITB ein Tourismusprogramm mitausarbeiten. Während am Wittenbergplatz kulturelle Kontakte zu Griechenland gekappt werden, wirbt das Land wenig entfernt mit seinen Besonderheiten.

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