Berlin-Schöneberg : Kinderladen in Friedenau muss schließen

In Friedenau muss ein Kinderladen nach 38 Jahren schließen, weil der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Die Gründe dafür sind unklar.

Lilith Grull
Seit 38 Jahren gibt es den Kinderladen in der Sieglindestraße nahe dem S- und U-Bahnhof Bundesplatz.
Seit 38 Jahren gibt es den Kinderladen in der Sieglindestraße nahe dem S- und U-Bahnhof Bundesplatz.Foto: promo

Auf den Fensterscheiben des Kinderladens Friedenau in der Sieglindestraße kleben bunte Schilder. Doch sind es keine Kinderzeichnungen, sondern Bilder des Protests: „Verdrängt, nach 38 Jahren“. Die Einrichtung gehört zu einem der ältesten Kinderläden der Stadt. Nun soll er weg. Nicht nur für Eltern und Erzieher ist das nicht erklärbar, auch für Nachbarn im Kiez. Über 30 Jahre gab es den selben Vermieter. Er sei regelmäßig zu Besuch gewesen, habe mit den Kindern gemalt und gegessen, erzählt Anke Brekerbohm. Sie ist im Vorstand; drei ihrer Kinder besuchen den Kinderladen.

In Friedenau schildert Kinderladen-Gründerin und Erzieherin Gisela Brettle ihre Version, wie es dazu kam, dass die Einrichtung jetzt ausziehen muss: Vor einigen Jahren habe der einstige Besitzer das Haus verkauft. Der Laden hätte anderweitig vermietet werden sollen, dann aber „traten wir 2015 erstmals in Verhandlungen. Wir konnten den Mietvertrag um zwei Jahre verlängern“, sagt Brettle. Im Oktober letzten Jahres seien weitere Verhandlungen abgebrochen worden, im Sommer sei daher nun Schluss. Die Eigentümer waren am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das drohende Aus für den Kinderladen ist längst Thema im Viertel

Der Friedenauer Kinderladen ist kein Einzelfall. Schon lange klagt der Dachverband der Berliner Kinder- und Schülerläden (Daks) darüber, dass viele dieser Einrichtungen inzwischen bedroht sind, weil ihre Mietverträge gekündigt oder nicht verlängert wurden. Oft müssen die Kinderläden weichen, damit die Räume danach teurer weiter vermietet werden können. Die Gentrifizierung mache auch vor sozialen Einrichtungen nicht halt. Besonders in den Innenstadtbezirken wie Kreuzberg, Mitte und Neukölln ist der Druck groß. Der Daks, der rund 600 Einrichtungen vertritt, hat in diesem Fall versucht, vermittelnd tätig zu helfen.

Das drohende Aus für den Kinderladen ist längst Thema im Viertel: Die Eltern haben am 18. März auf dem Varziner Platz und im Kino ein Fest organisiert. Mit verschiedenen Aktivitäten soll Vermietung, Bewohnern und Politik gezeigt werden, dass der Kinderladen fester Teil des Kiezes ist. Nachbarn kommen regelmäßig zu Besuch, bringen Bastelbedarf. An manchen Tagen macht die Müllabfuhr bei ihnen sogar Mittagspause. Nicht nur der Laden stellt sich quer, auch an der Kita gegenüber hängen Schilder für das Bleiben. Der Kinderladen sucht nun eine neue Heimat. Brettle hat sich nach eigenen Angaben bereits für mehr als 40 Räume interessiert. Doch ein passendes Objekt konnten sie noch nicht finden.

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