Berlin-Schöneweide : Bahn erschließt Insel zwischen den Gleisen

Bisher ist der ehemalige Rangierbahnhof Schöneweide völlig unzugänglich. Das wollen Bahn und Senat ändern. Ein neues Gewerbegebiet, Grünflächen und eine Brücke für Radfahrer sind geplant.

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Die Dampflokfreunde Berlin fahren ab Schöneweide zu Ausflügen nach Dresden oder Magdeburg.
Die Dampflokfreunde Berlin fahren ab Schöneweide zu Ausflügen nach Dresden oder Magdeburg.Foto: dpa

Der ehemalige Rangierbahnhof Schöneweide ist eine Terra incognita. Bis auf die „Dampflokfreunde Berlin“ hat hier niemand Zutritt. Das knapp 50 Hektar große Gelände zwischen Johannisthal und Adlershof wird von zwei Regionalbahngleisen umschlossen, die noch in Betrieb sind. Deshalb galten die langsam verfallenden Bahnanlagen bisher als unerschließbar. Das soll sich nun ändern.

Die Bahn will das westliche Gleis verlegen und die Brachflächen mit der Wissenschaftsstadt Adlershof und dem Landschaftspark Johannisthal verbinden. Entstehen soll ein neues Gewerbegebiet mit rund 28 Hektar für Baugrundstücke. Der Rest der Flächen ist für Grünzüge, Straßen und Radwege vorgesehen. Außerdem bleibt ein denkmalgeschützter Lokschuppen mit Wasserturm erhalten, dessen Pächter die Dampflokfreunde sind. Von hier aus werden regelmäßig „Nostalgiefahrten“ angeboten.

Das Gleis soll bis 2015 verlegt werden, anschließend werden Straßen gebaut, 2016 beginnt der Verkauf der Gewerbeflächen. Der „Betriebsbahnhof Schöneweide“, bisher ein komfortfreier Haltepunkt, soll zu einem richtigen S-Bahnhof aufgewertet werden, der das Gewerbegebiet erschließt. Eine Umbenennung ist wahrscheinlich. Wolf Schulgen von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung deutete bei der Vorstellung des Projektes an, der neue Name könne sich auf das ehemalige Flugfeld Johannisthal beziehen. Das Areal gehört zum Ortsteil Schöneweide, da es sich aber nun nach Johannisthal öffnen soll, würde die Bahn gerne die Ortsteilgrenze verlegen. Darüber werde man mit dem Bezirk Treptow-Köpenick sprechen und die Öffentlichkeit einbeziehen, sagte Schulgen. Der Senat hat das Gebiet als gesamtstädtisch bedeutsam eingestuft, plant also selbst.

Für Fußgänger und Radfahrer soll eine neue Brücke über die Bahngleise und das sechsspurige Adlergestell gebaut werden, wahrscheinlich erst 2017 oder 18. Damit wird eine Verbindung zwischen dem Landschaftspark Johannisthal und der Köllnischen Heide bis zur Spree geschaffen. Bisher müssen sich Rad- und Autofahrer eine enge Unterführung am S-Bahnhof Schöneweide teilen. Die Bahn besitzt in Berlin eine Grundstücksfläche von mehr als 20 Quadratkilometern. Wieviel davon entbehrlich ist, also „nicht betriebsnotwendig“, konnte Wolfgang Stahnke von der Immobilientochter der Bahn nicht sagen. Die internen Abfragen zu einzelnen Flächen seien sehr aufwändig.

Die meisten ehemaligen Güterbahnhöfe der Bahn sind inzwischen überwiegend als Gewerbestandort oder Grünfläche ausgewiesen. Auf den ehemaligen Gleisanlagen an der Heidestraße nördlich des Hamburger Bahnhofs entsteht zurzeit die „Europacity“ mit Luxuswohnungen, Firmenrepräsentanzen und Hotels.

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