Berlin-Schöneweide : Zivilcourage mit blutigen Folgen

Er hatte eine Gruppe Jugendlicher ermahnt, andere Fahrgäste nicht weiter anzupöbeln. Das schien der Gruppe eine derartige Provokation, dass sie den Mann halb tot prügelte - am helllichten Tag, mitten im Bahnhof Schöneweide.

Die Tat geschah am Sonnabendvormittag um 11 Uhr in der belebten Vorhalle des Bahnhofs Schöneweide. Einer der Jugendlichen hielt den Fahrgast von vorn fest, einer stach ihm von hinten mit dem Messer in den Rücken, der dritte schlug dem 39-Jährigen mit einer Parfümflasche mehrmals ins Gesicht. Schwer verletzt brach der Treptower Thomas S. in der Bahnhofshalle zusammen – zuvor hatte er die Jugendlichen ermahnt, andere Fahrgäste nicht weiter anzupöbeln.

Nach der brutalen Attacke flüchteten die drei 15 und 16 Jahre alten Jugendlichen; ein 16-jähriges Mädchen, das zugesehen hatte, lief mit ihnen davon. Alle vier konnten kurz darauf von der Polizei, die von einer Zeugin per Mobiltelefon alarmiert worden war, in der Nähe festgenommen werden. Einer der mutmaßlichen Täter lebt im Heim, die anderen drei bei Mutter oder Vater in Treptow. Sie heißen Marlon, Julien, Ramon und Anna, alle sind Deutsche. Zwei von ihnen stehen bereits auf der Intensivtäterliste der Polizei: Die Akte des 15-jährigen Marlon E. umfasst etwa 40 Einträge, die des 16-jährigen Ramon R. etwa 20.

Wieso der Fall erst mit 24-stündiger Verzögerung von der Polizei gemeldet wurde, dazu gab es keine Erklärung. Marlon E. und Ramon R. sollten am Sonntagabend dem Haftrichter vorgeführt werden, der Vorwurf: versuchter Totschlag. Ob der Richter die beiden Jungen in Untersuchungshaft schickt, stand bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht fest. Das Mädchen und Julien F. wurden wegen „geringer Tatbeteiligung“ nach einer Befragung wieder auf freien Fuß gesetzt. Ramon R. hatte 1,65 Promille Alkohol im Blut, ob die anderen getrunken hatten, konnte die Polizei nicht sagen. Ha

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